THEO VAN GOGH: CORONA POLITIK DER REGIERUNG VOLLENDS GESCHEITERT / RÜCKTRITTE?
1.2.2022 DIE WELT – Unverblümter hätte die Kritik kaum sein können. In einer Stellungnahme macht der Expertenrat deutlich, was er von der Corona-Krisenkommunikation der Bundesregierung hält: nichts. „Ein Mangel an Übereinstimmung von verfügbaren Informationen, ihrer Bewertungen und den resultierenden Empfehlungen (…) gefährdet den Erfolg von wichtigen Maßnahmen zum Schutz der Gesundheit“, heißt es.
Bemerkenswert ist, dass es erst einen Expertenrat braucht, der der Regierung deutlich macht, wie dringend sie an ihrer misslungenen Kommunikation arbeiten muss. Denn jeder einzelne kann aus eigener Erfahrung erahnen, wie groß das Problem ist. Oder wissen Sie noch, ob ein zweifach Geimpfter und von Corona Genesener unter der 2G-plus-Regel einen Schnelltest für den Restaurantbesuch braucht? Oder wo Sie die entsprechende Regelung finden?
Den Empfehlungen des Expertenrats kann man deswegen nur Nachdruck verleihen: Erkenntnisse über die Corona-Lage und ein Überblick über geltende Regeln müssen in einer Sprache und Form zugänglich sowie konsumierbar gemacht werden, die Menschen erlauben, eigenverantwortlich abwägende Entscheidungen zu treffen. Und nachvollziehbar machen, warum Bund und Länder welche Maßnahmen getroffen haben. Wer das systematisch unterlässt, wird sich naturgemäß dem Verdacht ausgesetzt sehen, seine Gründe könnten nicht ausreichen oder gar fadenscheinig sein.
Mit einer unübersichtlichen Kommunikation, bei der man ein juristisches Staatsexamen braucht, um Corona-Verordnungen zu verstehen; mit Datenchaos um grob falsche Inzidenzzahlen; mit der Halbierung der Dauer des Genesenenstatus per Website-Bekanntmachung – mit diesem Vorgehen verspielen die Krisenmanager ihr größtes Kapital: die Bereitschaft vieler Menschen, beim Kampf gegen das Virus mitzuziehen und dabei auch nach zwei Jahren Pandemie Einschränkungen in Kauf zu nehmen.
Stattdessen täten die Verantwortlichen gut daran, darauf zu vertrauen, dass eine Mehrheit der Bevölkerung Maßnahmen mittragen wird, wenn die Argumente gut genug und nachvollziehbar sind. Wer daran zweifelt, offenbart, dass er selbst nicht so recht an den eigenen Kurs glaubt. Und muss sich nicht wundern, wenn die Unterstützung der Bevölkerung ausbleibt.