MESOP WATCH : CORONA FOREVER !  „Befriedung durch Impfpflicht” achgut achse  – HENRYK M. BRODER

26-12-2021 – Wie WELT Online berichtet, hat der Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, Hendrik Wüst, bei den Bürgern um Verständnis für weitere absehbare Corona-Lasten im kommenden Jahr geworben.

Wir tun alles für die baldige Rückkehr zur Normalität, aber wir als Politik müssen ehrlich sein: Corona wird uns auch im neuen Jahr noch sehr beschäftigen und viel abverlangen“, sagte er der dpa. „Auch im neuen Jahr werden Einschränkungen im Alltag nötig bleiben. Omikron ist eine ganz neue Dimension der Herausforderung.“

Das mag richtig sein oder auch nicht, wir werden es bald wissen. Eine ganz neue Dimension der Herausforderung ist in jedem Fall ein frischgebackener Ministerpräsident, der „wir als Politik“ sagt, wenn er über sich und seinesgleichen spricht, also im Pluralis Majestatis. Dabei verdankt Wüst seine Stellung nicht irgendeinem Gottesgnadentum, sondern allein dem Umstand, dass sein Vorgänger unbedingt Kanzler werden wollte und sich verkalkuliert hat. So ist er, der „Kronprinz“ von Armin Laschet, Regent von NRW geworden. Ob er es auch bleibt, wird sich bei den Landtagswahlen am 15. Mai entscheiden.

Bis dahin wird er noch viele Nullsätze auf den Weg bringen, wie z.B. diese hier: „Mit einem verlässlichen, gradlinigen Kurs schaffen wir bei den Menschen das Vertrauen, das wir auch in den nächsten Monaten brauchen werden. Und trotzdem werden wir auch im weiteren Verlauf dieser Pandemie immer wieder dazu lernen.“ Das hört sich gut an, obwohl es nach Angela Merkel klingt, die mit „satzverbindenden Adverbien“ wie „trotzdem“, „obwohl“ und „nichtdestotrotz“ ihre Probleme hatte. Sie weisen auf einen inhärenten Widerspruch im Gesagten hin. Zum Beispiel: „Er war begabt und wollte was werden. Trotzdem beschloss er, Politiker zu werden.“ Wo aber steckt ein Widerspruch, wenn ein Politiker etwas „dazulernen“ muss? Ist das eine Zumutung oder, wie Olaf Scholz sagen würde, eine Überschreitung aller roten Linien?

Was ist der Ort des totalen Friedens?

Es kommt noch besser. „Die geringe Impfquote in manchen Teilen Deutschlands hat uns bislang einen Strich durch die Rechnung gemacht, er hoffe aber, dass die Impfpflicht zügig kommt und dazu beiträgt, dass es dann eine gesellschaftliche Befriedung gibt.“

„Frieden schaffen ohne Waffen“ war schon eine witzige Idee. „Befriedung durch Impfpflicht“ ist noch witziger. Wenn es darum geht, eine gespaltene Gesellschaft zu befrieden, muss man etwas wagen. Hernán Cortéz hat das Aztekenreich befriedet, Ludwig XIV. hat Frankreich befriedet, indem er die Hugenotten aus dem Land vertrieb, und den Juden wäre viel Unfrieden erspart geblieben, wenn sie Luthers Angebot, zum Christentum zu konvertieren, angenommen hätten.

So betrachtet könnte eine Impfpflicht dazu beitragen, dass es eine gesellschaftliche Befriedung gibt. Wie nennt man den Ort des totalen Friedens? Richtig: Friedhof!