MESOP WATCH NEU: DIE KULTUR UNTER DER PRIDE FLAG! Rot-grün-links  –  Cancel Culture : Aus dem neo-jakobinischen Umerziehungslager

Jürg Altwegg FAZ – 21.12.2021 Eine Demonstration gegen Islamophobie im März vor der Universität Grenoble – Die Hetzkampagne gegen den Germanisten Klaus Kinzler wegen angeblicher Islamophobie bleibt für die Täter folgenlos. Kinzler hingegen wird von seiner Universität suspendiert.

In Frankreich gibt es ein neues Personalpronomen, es ist männlich und weiblich zugleich. Benutzt wird es von einer – noch darf man feststellen: verschwindend – kleinen Minderheit. Das Wörterbuch „Le Robert“ aber, der Duden der Weltsprache Französisch, in der es kein Neutrum gibt, hat es in seiner Ausgabe 2022 schon abgesegnet: „iel“. Es ist eine Zusammensetzung aus il und elle. Korrektes Konjugieren geht nun so: Je, tu, iel. Auf Deutsch würde das ungefähr so lauten: Ich, du, siers. Dieses „iel“ wurde erfunden, um den Imperativen der inklusiven Schreibweise und einer diskriminierungsfreien Grammatik gerecht zu werden. Man kann es je nach Lust und gefühltem Geschlecht weiter variieren: „ielle“ geht auch, in dieser Form wird das Weibliche übergewichtet. Im Plural hängt man ein s an: „iels“.

Während man in Paris noch auf die Reaktion der Académie Française wartet, wird in der französischen Akademie in Rom ungeniert der Cancel Culture gehuldigt. In der Villa Medici wurden die berühmten Wandteppiche Tentures des Indes, die Ludwig XV. in die Ewige Stadt geschickt hatte, abgehängt. Die auserwählten Stipendiaten des französischen Staats – die kulturelle Elite von morgen – störten sich an den kolonialen Motiven. Weil es sich bei der Tapisserie um die einzige Dekoration im großen Saal handelt, zeigte sich Sam Stourdzé, der Leiter des Instituts, einsichtig und nachgiebig: „Was für ein Weltbild verbreiten wir da eigentlich?“ Die traditionsreichsten kulturellen Institutionen scheinen sich dem Wokismus so willig anzupassen wie die akademischen.

Im Umerziehungslager

Noch immer wartet man in Paris auch auf den von Bildungsministerin Frédérique Vidal beim staatlichen Forschungsinstitut CNRS bestellten Bericht über das Ausmaß des „Islamgauchismus“ an den Universitäten und Eliteschulen. Mehrfach haben Emmanuel Macron und Unterrichtsminister Jean-Michel Blanquer die Geisteswissenschaften der Komplizenschaft mit dem islamistischen Terrorismus und Kulturkampf bezichtigt. Nach der Enthauptung von Samuel Paty wurde der Vorwurf laut, die Schulbehörden hätten den Lehrer nicht beschützt, sondern gerüffelt – aus Angst. Als in Grenoble massive Morddrohungen gegen zwei Lehrer von Sciences Po ausgesprochen wurden, forderte Frédérique Vidal eine exemplarische Bestrafung der für die Hetzkampagne verantwortlichen Studenten. Sie hatten den deutschen Germanistikprofessor Klaus Kinzler und seinen Kollegen, den Politikwissenschaftler Vincent Tournier, der Islamophobie bezichtigt und als Faschisten bezeichnet. In einem Untersuchungsbericht der Aufsichtsbehörden wurden die gravierenden Vorfälle festgehalten. Von einem „Klima der Angst“ ist die Rede.

Auch die disziplinarische Kommission scheint dieser Atmosphäre zu unterliegen. Siebzehn Angeklagte wurden freigesprochen. Nur eine Studentin wurde mit einem kurzen Ausschluss aus der Schule, allerdings auf Bewährung, bestraft. Als ob es die Mauerinschriften, Morddrohungen und ihre Rechtfertigung nie gegeben hätte. Eigentlich hatte das milde Urteil geheim gehalten werden sollen. Nach seiner Veröffentlichung in „Le Monde“ befasste sich auch der „Figaro“ auf zwei Seiten mit den Zuständen in Grenoble. Anlässlich der „Woche gegen den Rassismus“ hatte die Studentengewerkschaft, der die Angeklagten angehören, den Ausschluss der Liga gegen den Rassismus und Antisemitismus (Licra) gefordert: erneut wegen „Islamophobie“. Den Sciences-Po-Instituten in ganz Frankreich bescheinigt die Zeitung einen „systemischen Linksextremismus“.

Kinzler ist derweil noch immer krankgeschrieben und unterrichtet nicht mehr. Er schreibt an einem Buch. „Sciences Po Grenoble ist zu einem Umerziehungslager geworden“, erklärt er in einem Interview mit der Zeitung „L’Opinion“: „Ich habe in den vergangenen Monaten mehr gelernt als in den vierzig Jahren, in denen ich mich mit Deutschland beschäftige. In Grenoble kann man beobachten, wie eine militante Minderheit durch Einschüchterung und Missachtung der Gesetze der Mehrheit ihren Willen aufzwingt und ihre Machtübernahme vorbereitet.“ Am Montagnachmittag wurde bekannt, dass ihm die Schulleitung auf Grund dieses Interviews seine Entlassung mitgeteilt hat.