MESOP WATCH NEU: DIE GESELLSCHAFT DES SPEKTAKELS IST DIE WAHRE PANDEMIE / DAS VIRUS NUR EIN EPIPHÄNOMEN
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Gesellschaft des Spektakels – GUY ERNEST DEBORD
Die derzeitige „Gesellschaft des Spektakels“ sei eine Gesellschaft, die das Oberflächliche feiert, im Konsum Erfüllung finden möchte, sich in den Medien selbst betrachtet und bewundert und alles für messbar und käuflich hält, „in der die Ware sich selbst in einer von ihr geschaffenen Welt anschaut“ (S. 41).
Die Gesellschaft scheine hypnotisiert vom Anblick eines „wahren, echten“ Lebens als Bild, als Klischee, während gleichzeitig in ihrem Alltag lebendige, menschliche Regungen abnähmen. Die Bilder könnten ihre Versprechen jedoch nie real einlösen:
„Ihre vulgarisierten Pseudofeste, Parodien des Dialogs und der Gabe, regen zwar zu einer wirtschaftlichen Mehrausgabe an, bringen aber nur die stets durch das Versprechen einer neuen Enttäuschung kompensierte Enttäuschung wieder.“
– S. 137
Vorbild und Held der Gesellschaft des Spektakels sei dabei der Film-, Fernseh-, Pop- oder Polit-Star. Er diene als Modell für all das, was man sich selbst versagen müsse. Der Star sei die „spektakuläre Darstellung eines lebendigen Menschen“, der das „Bild einer möglichen Rolle“ in sich „konzentriert“, das „Objekt der Identifizierung mit dem seichten, scheinbaren Leben, welches die Zerstückelung der wirklich erlebten Produktionsspezialisierungen“, also den real erlebten subjektiven Alltag, „aufwiegen soll.“ (S. 48)
Auch Politik werde zur Show und Showbusiness zu Politik:
„Dort personalisiert sich die Regierungsgewalt zu einem Pseudostar, hier lässt sich der Star des Konsums als Pseudogewalt über das Erleben durch Plebiszit akklamieren. Aber diese Aktivitäten des Stars sind ebensowenig verschiedenartig wie wirklich global.“
– S. 49
Die Gesellschaft habe sich von den wirklichen Bedürfnissen der Menschen entfernt. Durch die Spezialisierung in der Arbeitswelt werde das Nachdenken über die Bedürfnisse und Belange des Menschen fragmentiert, rationalisiert und dadurch gegen sie gewendet, Sozialtechniken dienten dabei der Verwaltung der Menschen.
Spektakel und Ideologie
Das Spektakel kann verschiedene Ideologien transportieren:
„Das Spektakel ist die Ideologie schlechthin, weil es das Wesen jedes ideologischen Systems in seiner Fülle darstellt und zum Ausdruck bringt: Die Verarmung, die Unterjochung und die Negation des wirklichen Lebens.“
– S. 182
Das Spektakel ist die ununterbrochene Rede, die die gegenwärtige Ordnung über sich selbst hält, ihr lobpreisender Monolog. (S. 24) Es ist die Sonne, die in dem Reich der modernen Passivität nie untergeht. Es bedeckt die ganze Oberfläche der Welt und badet endlos in seinem eigenen Ruhm. (S. 17) Es ist das Gegenteil des Dialogs. (S. 19), denn es stelle alles zur Debatte – nur nicht sich selbst:
„Die durch das Spektakel prinzipiell geforderte Haltung ist diese passive Hinnahme, die es schon durch seine Art, unwiderlegbar zu erscheinen, durch sein Monopol des Scheins faktisch erwirkt hat.“
– S. 17
Debords Kritik am Spektakel kann dabei durchaus auch als Kritik an der Idee von immerwährendem Wirtschaftswachstum gelesen werden:
„Im Spektakel […] ist das Endziel nichts, die Entwicklung alles. Das Spektakel will es zu nichts anderem bringen als zu sich selbst.“
– S. 18
Nicht das philosophische Nachdenken über ein „gutes Leben“ der Menschen hat für Debord zum Spektakel geführt, sondern das Spektakel scheint andersherum spezielle Arten von Denken, Ideologien auszudrücken, denen sich die menschlichen Belange dann unterzuordnen haben: Es verwirklicht nicht die Philosophie, es philosophiert die Wirklichkeit. (S. 20)
Seine Funktion besteht für Debord darin, „in der Kultur die Geschichte vergessen zu machen“ (S. 165). Die Idee, es gebe neben technischem Fortschritt auch gesellschaftlichen Fortschritt, scheint im Spektakel der Vergangenheit anzugehören. Das Spektakel nach Debord stellt aber keine einheitliche oder bewusste Verschwörung dar und verfolgt auch keine langzeitige Strategie außer seiner eigenen Erhaltung. Die einzige nihilistische Gesetzmäßigkeit des Spektakels ist eine Tautologie: Was erscheint, ist gut, was gut ist, erscheint. (S. 17)