mena watch: TOTAL BODY COUNT ! – Syrien-Krieg:Laut UN mehr als 350.000 getötete Zivilisten in Syrien

Die Vereinten Nationen haben die Zahl der eindeutig identifizierbaren Opfer des Bürgerkriegs in Syrien ermittelt. Die tatsächliche Zahl liegt wahrscheinlich noch höher. – 24. September 2021,  ZEIT ONLINE

Im Syrien-Krieg sind seit dessen Ausbruch vor zehn Jahren mehr als 350.000 Zivilisten getötet worden. Diese Zahl gab die Menschenrechtskommissarin der Vereinten Nationen, Michelle Bachelet, bekannt. Es handle sich ausschließlich um überprüfte Fälle – die tatsächliche Zahl der Getöteten liege mit Sicherheit höher, erklärte sie.

Das Büro der Menschenrechtskommissarin hatte die Ermittlung der zivilen Opferzahl in Syrien im Auftrag des UN-Menschenrechtsrats vorgenommen. Bei der Vorstellung der Ergebnisse vor dem Gremium betonte Bachelet, in die Datensammlung eingeflossen seien nur Fälle, in denen der volle Name der getöteten Person sowie das Todesdatum und das betreffende Gouvernement bekannt seien.

Unter den 350.209 dokumentierten Todesopfern sind den Angaben nach 26.727 Frauen und 27.126 Kinder. Die meisten Menschen starben in Aleppo (51.731), gefolgt vom Großraum Damaskus mit 47.483 und der Stadt Homs mit 40.986 Toten.

“Hinter jedem verzeichneten Tod stand ein Mensch, frei geboren und gleich an Würde und Rechten”, sagte die frühere chilenische Präsidentin Bachelet. Das Unrecht und der Schrecken jedes dieser Schicksale müsse zum Handeln nötigen. Der Alltag der syrischen Bevölkerung sei “nach wie vor von unvorstellbarem Leid gezeichnet, und die Gewalt, die sie ertragen müssen, nimmt kein Ende”.

Der Krieg begann 2011

Im März 2011 waren in Syrien Proteste gegen die Führung von Präsident Baschar al-Assad gewaltsam niedergeschlagen worden. Der Konflikt entwickelte sich zu einem Bürgerkrieg, in den viele ausländische Mächte eingriffen. Millionen Bürgerkriegsflüchtlinge haben das Land verlassen. Mithilfe Russlands und des Irans konnte die Regierung nach anfänglichem Gebietsverlust wieder große Teile des Landes einnehmen. Im Osten herrschen Kurden mit US-Unterstützung, in Teilen Nordsyriens türkische Truppen und islamistische Milizen. Laut UN kontrolliert Assad derzeit rund 70 Prozent des Landes und 40 Prozent der Bevölkerung. Nach einer umstrittenen Wahl ist er im Juli für eine vierte Amtszeit vereidigt worden.

UN-Menschenrechtsbeobachter sehen derzeit keine Hoffnung für eine Aussöhnung in dem Bürgerkriegsland. Regierungskräfte würden Menschen im Land willkürlich inhaftieren und foltern, hieß es kürzlich von der Untersuchungskommission für Syrien. Es gebe nach wie vor einen “Krieg gegen die Zivilbevölkerung”.