MENA WATCH NEWS : AFTER TRUMP IST BIDEN DIE WIRKLICHE ENTTÄUSCHUNG –
– DIE WELT 7.9.2021 Als US-Präsident Joe Biden Anfang des Jahres sein Amt antrat, war das begleitet von hohen Erwartungen gerade der europäischen Alliierten. Biden würde das atlantische Bündnis wieder zusammenführen, den Westen stärken und anders als sein Vorgänger Donald Trump ein partnerschaftliches Verhältnis mit den europäischen Verbündeten pflegen, so die Hoffnungen. Ein halbes Jahr später zeigen sich jedoch erhebliche Irritationen zwischen der Biden-Regierung und den europäischen Partnern. Die wird auch Außenminister Antony Blinken zu spüren bekommen, wenn er am Mittwoch nach Berlin kommt, um seinen Amtskollegen Heiko Maas zu treffen und an einer Außenministerkonferenz zum Thema Afghanistan teilzunehmen. Tatsächlich macht sich in Europa erheblicher Unmut breit über das Debakel, das die Biden-Regierung angerichtet hat. Der europäische Außenbeauftragte Josep Borrell nannte den US-Rückzug eine „Katastrophe für das afghanische Volk, für westliche Werte und Glaubwürdigkeit und für die Entwicklung der internationalen Beziehungen“. Unionskanzlerkandidat Armin Laschet sprach gar vom größten Debakel der Nato seit ihrer Gründung. Die Europäer hatten geglaubt, dass nach dem Trump-Chaos wieder Professionalität und Expertentum einziehen würden in die Außen- und Sicherheitspolitik der USA. Doch nun mussten sie erleben, dass Biden all die Warnungen seiner Experten in den Wind schlug und auf geradezu dogmatische Weise an einem frühen Abzugstermin festhielt. Und auch der chaotische Abzugsprozess selbst machte nicht gerade den Eindruck, als seien dort Profis am Werk. Und wie schon unter Trump hatten die westlichen Alliierten keinerlei Mitspracherecht bekommen, sondern wurden von Biden vor vollendete Tatsachen gestellt. Höchste Zeit also für eine Neubewertung der Bidenschen Außenpolitik. In der amerikanischen Verlautbarung zu Blinkens Berlin-Besuch heißt es, der Minister wolle „die starke Allianz zwischen den USA und Deutschland bekräftigen sowie unsere enge Kooperation und gemeinsame außenpolitischen Prioritäten“. Blinken wolle auch den Dank der US-Regierung übermitteln für das deutsche Engagement in Afghanistan in den vergangenen 20 Jahren – und für die Hilfe beim Ausfliegen von Personal. Tatsächlich geht es aber auch um Schadensbegrenzung. Denn in Europa wachsen nicht nur die Zweifel an Führungskraft und Urteilsvermögen des US-Präsidenten, sondern auch daran, ob man sich auf amerikanische Beistandsversprechen überhaupt noch verlassen kann. Zweifel, die in den Trump-Jahren akut geworden waren – und die nun durch Bidens Afghanistan-Debakel neue Nahrung erhalten. |
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