MENA WATCH : DER IMPERIALISMUS ROT CHINAS IN AFRIKA

Die nigerianische Eisenbahn plant ein Revival – mit chinesischen Milliarden
NZZ  4.9.2021 – Es ist eines der ehrgeizigsten Eisenbahnprojekte auf einem Kontinent mit vielen ehrgeizigen Bahnprojekten: Quer durchs Land sollen bald neue oder erneuerte Linien führen – von der Metropole Lagos im Süden über mehr als 1000 Kilometer nach Kano im Norden; von Port Harcourt im Südosten nach Maiduguri im Nordosten; entlang der Küste von Lagos im Westen nach Calabar im Osten. Kostenvoranschlag: fast 30 Milliarden Dollar. Die Rückkehr zum alten Glanz der nigerianischen Eisenbahn wird mit chinesischen Milliarden finanziert werden.
Darum ist es wichtig: Afrika ist ein Fokus der neuen, von China vorangetriebenen Seidenstrasse; der Kontinent ist in 54 Länder zersplittert, da lässt sich bestens demonstrieren, wie Züge Regionen, Länder und Wirtschaftsstandorte verbinden können. Auch in Äthiopien und Kenya wurden neue Zuglinien mit chinesischem Geld gebaut. Doch zuletzt gab es Zweifel an der Rentabilität der Bahnprojekte. Zudem sind die Chinesen vorsichtiger geworden, nachdem ihnen vorgeworfen wurde, sie würden Länder in die Schuldknechtschaft treiben.

 

Das sagt die Expertin: China breite sich in Afrika aus wie eine neue Kolonialmacht, lautet ein oft gehörter Vorwurf. Dabei gehen die chinesischen Investitionen seit einigen Jahren zurück. Die letzten Zahlen von 2019 zeigen, dass chinesische Staatsbanken Kredite im Umfang von sieben Milliarden Dollar vergaben, der tiefste Stand seit einem Jahrzehnt. Yunnan Chen vom Overseas Development Institute in London glaubt, dass China heute vorsichtiger bei der Vergabe von Krediten geworden ist. «China wird künftig mehr Forderungen stellen, bevor es die Brieftasche öffnet.» Zum Interview