MESOP NEWS HAUPTLEHRE: Der Westen ist zu Ordnungskriegen nicht (mehr) in der Lage / fin de partie forever !
In Afghanistan fallen die Provinzstädte wie Dominosteine: Eine nach der anderen wird von den Taliban besiegt. Schmerzlicher könnte dem Westen die Niederlage nicht vor Augen geführt werden. Zu lange hat er sich etwas vorgemacht. Der Stoß aus dem Reich der Illusionen ist brutal. Vielleicht hebt auch deswegen die Debatte an, den Rückzug zu überdenken, gleichsam einen Rückzug vom Rückzug zu befehlen.
Der außenpolitische Sprecher der CDU/CSU-Fraktion, Norbert Röttgen, forderte etwa, erneut gegen die Taliban in den Kampf zu ziehen, um ihren Vormarsch zum Halten zu bringen.
Doch was wäre damit gewonnen? Kurz nachdem Amerikaner, Briten, Deutsche und andere westliche Truppen 2001 gegen die Terrororganisation al Qaida und die sie schützenden Taliban am Hindukusch zu Felde zogen, verkündeten die Taliban eine donnernde Wahrheit: „Ihr habt Uhren, aber wir haben die Zeit.“ Daran hat sich bis heute nichts geändert. Natürlich besäßen die USA die Kraft und die Mittel, die Taliban zurück in den Untergrund zu bomben. Und dann? Was in zwanzig Jahren misslang, sollte im 21. Jahr glücken? US-Präsident Joe Biden hat recht: Dieser Krieg mag Terrorgruppen geschwächt haben, er ist aber nicht zu gewinnen. Er hat Tausenden von Menschen das Leben, die Amerikaner zudem Billionen von Dollar und die Deutschen über zwölf Milliarden Euro gekostet. Soll es auf diese Weise weitergehen?
Die Hauptlehre aus Afghanistan ist: Der Westen ist zu Ordnungskriegen nicht (mehr) in der Lage. Er kann nicht Feinde besiegen und gleichzeitig Demokratien in Regionen bauen, denen jegliche demokratische Traditionen fehlen. Diese Erfahrung konnte man schon vor Jahren machen. Sie gilt auch jetzt – gerade jetzt. Für die Amerikaner also wird es künftig darum gehen, einzelne Terrorzellen – soweit sie den Westen bedrohen – mit Spezialkräften auszuschalten und dann schnellstmöglich wieder zu verschwinden.
Und Afghanistan selbst? Wird es wieder das Land der Taliban? Ja, das wird es.