MESOP NEWS EIN SCHWULER PRO-PALÄSTINENSER
Jean Genet : Der intellektuelle Freischärler
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Von Niklas Bender FAZ – Die Sprache von innen angreifen: Der Band mit den politischen Essays Jean Genets in der deutschen Werkausgabe offenbart wildes Denken.
Der erste Eindruck: ein Blick in ein historisches Dokument, in eine Zeit, in der Literatur und Politik sich selten nahestanden. Eine Reise zurück in die Zeit vor 1989, vor den Fall der Mauer und des Eisernen Vorhangs, den Jean Genet (1910 bis 1986) nicht mehr miterleben sollte. Seine politischen Schriften und Interviews, die im Rahmen der deutschen Werkausgabe im Merlin Verlag erscheinen, sind seinem literarischen Werk ganz nahe, thematisch, aber auch strukturell, denn für Genet war Literatur ein Akt der Revolte. Das hielt ihn von konkreten Engagements nicht ab, die im Band ausführlich zur Sprache kommen: besonders für die Black Panthers und die Palästinenser, darüber hinaus für die Migranten in Frankreich und nebenbei etwas für den Vietkong.
Die Essays lassen sich vor allem auf die Jahre 1968 bis 1975 datieren, mit 1970 als Höhepunkt, dem Jahr der Reisen in die vereinigten Staaten und nach Palästina. Angetrieben wurde Genet von dem Wunsch, auf der Seite der „Wahrheit von morgen“ zu stehen – und von einem leidenschaftlichen Hass auf die französische Mehrheitsgesellschaft (verkörpert etwa durch Valéry Giscard d’Estaing), auf „den US-amerikanischen Imperialismus“ oder auf Israel als einen „Bluterguss auf der Schulter der Muslime“. Sprich: auf die westliche Welt, die als kolonialistisch-kapitalistisch gebrandmarkt wird.