MESOPOTAMIA NEWS : VIREN MUTIEREN IMMER / DIE DELTA VARIANTE

Der neue Blockbuster des Sommers ist da. Er heißt: „Die Delta-Variante“. Es handelt sich um einen echten Schocker. Einiges spricht dafür, dass er einschlägt. Produziert wird dieser Schocker schließlich von jenem eingespielten Erfolgsteam aus Modellierern, Journalisten, Virologen und manchen Politikern, das uns auch schon „Die britische Mutante“ (Untertitel „Jetzt noch tödlicher!“), die deutsche Tragikomödie „Macht die Schulen dicht!“ und den Politthriller „Die Bundesnotbremse“ gebracht hat.

Blockbuster – Moment mal. Was soll das heißen? Gibt es etwa die Delta-Variante nicht, breitet sie sich nicht in England und Portugal rapide aus? Selbstverständlich gibt es sie, genauso wie die „britische“, die „südafrikanische“ und die „brasilianische“. Sehr wahrscheinlich, dass die Delta-Variante schon im Herbst in Deutschland die „dominante“ sein wird. Dass Viren immer neu mutieren, dass sie sich nur in den seltensten Fällen ausrotten lassen, kurz: dass auch pandemische Viren irgendwann endemisch werden, ist normal.

Nicht normal ist die unverantwortliche Panikmache, die seit einem halben Jahr mit den Mutationen des Coronavirus betrieben wird. Denn die schiere Tatsache, dass Infektionen stattfinden, muss niemanden beunruhigen – solange es nicht zu einer dramatischen Zunahme von schweren Verläufen und Todesfällen kommt. Das aber wird immer unwahrscheinlicher, wenn die Alten und die Risikogruppen durch Impfung geschützt sind. Allerdings hat sich im Laufe der Pandemie eine gutgeölte Propagandamaschine etabliert, die so tut, als gäbe es außer einer Corona-Infektion kein anderes Risiko mehr – und als seien Lockdowns die zwingende Reaktion auf „Infektionsgeschehen“.

Dieses Narrativ hat China im Frühjahr 2020 in die Welt gesetzt, seitdem wird es von vielen ebenso planlosen wie hilflosen Regierungen der westlichen Welt kopiert. Je höher der gesellschaftliche, wirtschaftliche und rechtsstaatliche Einsatz, den die Politik dabei aufs Spiel setzt, desto schwerer kommt sie aus der Lockdown-Falle wieder heraus. Das zeigen England und Portugal, die schon im Winter mit harten Lockdowns reagierten – während europäische Nachbarländer, die ganz oder teilweise auf Lockdowns verzichteten, ganz ähnliche Pandemieverläufe erlebten, was die Erzählung von der Notwendigkeit und Wirksamkeit der Zwangsmaßnahmen Lügen straft. Kein Wunder also, dass jene Regierungsschefs, die auf die chinesische Karte gesetzt haben, auf jede neue Mutation mit neuen Lockdowns reagieren – allein, um nicht irgendwann für sinnloses Einsperren der Bevölkerung zur Rechenschaft gezogen zu werden.

Deutschland hat sich in besonderer Weise verrannt. Verspätet, als die Infektionszahlen im Frühjahr längst wieder sanken, peitschte unsere Regierung eine als „Bundesnotbremse“ verbrämte beispiellose Freiheitseinschränkung durch. Allerdings bricht sich seitdem eine Aufklärung Bahn, die nacheinander viele Grundlagen der Lockdown-Strategie infrage stellte. Die höhere „Tödlichkeit“ der britischen Mutante, von der die Bundeskanzlerin im Ton der Gewissheit sprach – unter Wissenschaftlern umstritten. Die Horror-Prognosen der Virologen und Modellierer für den Frühling und Sommer – sie sind nicht eingetreten, die Zahlen stagnierten schon vor der von diesen Wissenschaftlern geforderten Verschärfung der Maßnahmen. Die „Überlastung der Intensivstationen“, von der die Intensivmedizinerlobby und die Lockdown-Aktivisten unisono warnten – erst kürzlich hat der Bundesrechnungshof die angegebene Zahl der Intensivbetten infrage gestellt. Die besondere Gefährlichkeit von Kindern, die von einzelnen Virologen und Medien in obsessiver Weise behauptet wurde – durch unzählige Studien widerlegt. Wer eins und eins zusammenzählt, kann nur schlussfolgern: So darf es nicht weitergehen.

Wenn nun dieselben Leute, die schon im Frühjahr die „Bundesnotbremse“ herbeigeredet haben, wieder – wie die Virologin Melanie Brinkmann – vor Lockerungen warnen und – wie Bundesgesundheitsminister Jens Spahn – die Gefährlichkeit offener Schulen betonen, hoffen sie offenbar, sie könnten all das überspielen und die Erkenntnisse der letzten Monate vergessen machen. Sie setzen dabei auch auf einen Faktor, der von keiner Modellierung erfasst wird: die Bereitschaft der Menschen, kritiklos hinzunehmen, was ihnen seit einem Jahr als angeblich alternativlose Politik verkauft wird. Ob sie sich dabei nicht verkalkulieren? Es liegt in den Händen der Wähler, inwieweit der nächste brutale Lockdown-Blockbuster ein Erfolg wird.