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Radikale Bräute – wie strenggläubige junge Frauen in der Islamistenszene über Landesgrenzen hinweg vermittelt werden

Ein radikaler Winterthurer verheiratet sich im Frühling 2020 mit einer Frau aus Österreich – per Telefon. Später wird er verhaftet, wegen mutmasslicher Verbindungen zum Terroranschlag von Wien. – Fabian Baumgartner, Florian Schoop – 01.04.2021,NEUE ZÜRCHER ZEITUNG

Den Mann per Telefon heiraten? In der radikal-islamistischen Szene kein Problem.

Leonora* wohnt in einem kleinen Ort in Niederösterreich. Dort gibt es alles, was ein normales Dorf so hat, Schützenvereine, Kegelbahnen, Fussballplätze. Anfang November 2020 fahren Verfassungsschützer in dieses Dorf und klingeln an der Wohnungstür der jungen Frau. Die Beamten wollen wissen, ob sie Kontakt zur radikal-islamistischen Szene habe. Und warum sie sich mit einem jungen Schweizer übers Telefon nach islamischem Recht verheiraten liess. Ihr Mann ist kein Unbekannter. Es ist Arber*, einer der beiden Winterthurer, die nach dem Terroranschlag in Wien von der Kantonspolizei Zürich verhaftet worden waren.

Wie kommt eine junge Niederösterreicherin an einen Winterthurer Islamisten?

«Ich lernte Arber über eine Freundin kennen», erzählt Leonora den Behörden. «Er wurde mir im Frühling 2020 als möglicher Ehepartner vorgeschlagen.» Die Freundin habe ihr ein Bild von Arber geschickt. Doch eigentlich wollte sie ihn nicht heiraten. «Aber bei der Hochzeit geht es ja nicht nur um mich», erklärt sie den Ermittlern, «sondern um Gottes Willen.» Leonora sagt schliesslich Ja. Ja zur Heirat per Telefon, Ja zum radikalen Ehemann. Dies zeigen Recherchen des Nachrichtenportals «Puls 24», das Einblick in über 2000 Seiten Ermittlungsakten zum Wiener Attentat hatte.

«Wird nicht weiter unter Kontrolle gehalten»

Arber und seine Gattin sind seit der Jugend tief verwurzelt im radikal-islamistischen Milieu, das sich über Deutschland, Österreich und die Schweiz erstreckt. Der Terroranschlag in Wien hat gezeigt, wie eng die Szenen in den drei Ländern miteinander vernetzt sind. Es geht dabei längst nicht nur um Terrorpläne und die Rekrutierung von neuen Mitgliedern, sondern auch um eine archaische Glaubensauslegung, die Glorifizierung der Terrormiliz IS – und um die Heiratsvermittlung junger Frauen. Der islamistische Heiratsbasar findet über diverse Internetplattformen statt, aber auch in Chat-Gruppen der Extremisten.

Im Fall von Leonora unterstützt ein männlicher Vormund die Vermählung mit Arber. «Er hat mir erlaubt, ihn per Telefon zu heiraten», sagt die Frau laut einem Vernehmungsprotokoll, das auch der NZZ vorliegt. Das erste Mal sieht sie ihren Ehemann im Sommer 2020. Mitte Juli setzt sich Arber mit seinem Freund Mauro* in einen Audi A3 mit Zürcher Kennzeichen und macht sich von Winterthur aus auf den Weg nach Österreich.

Arber will dort nicht nur seine Ehefrau treffen, sondern auch Kujtim F., den späteren Wiener Attentäter. Mauro und Arber übernachten bei ihm, gemeinsam treffen sie weitere Gesinnungsgenossen. Doch sie sind nicht allein: Das Treffen wird von den österreichischen Sicherheitsbehörden protokolliert. Ermittler beschatten die jungen Männer auf Schritt und Tritt.

Die Behörden stossen auch schnell auf die Spur der jungen Frau. Arber fährt nach seinem Treffen mit dem Wiener Attentäter nach Niederösterreich. Dort besucht er zum ersten Mal seine Ehefrau Leonora. Arber kommt alleine, sein Winterthurer Freund ist nicht dabei. Auch die Beschatter des österreichischen Verfassungsschutzes brechen kurz nach Wien die Verfolgung des Audi A3 ab. «Wird nicht weiter unter Kontrolle gehalten», notieren die V-Männer am Morgen des 20. Juli 2020.

In der zweiten Vernehmung drei Tage nach dem Anschlag sagt Leonora über Arber: «Er kam wegen mir, um mich zu sehen». Noch am selben Tag sei er jedoch wieder abgereist. Zu Protokoll gibt sie noch: «Ich möchte sagen, dass ich nie mit ihm intim wurde.»

Leonora hat im Laufe des letzten Jahres noch mehrere Male Kontakt mit dem jungen Winterthurer. Ein Ehepaar sollen sie aber nur kurze Zeit gewesen sein. «Nach ein bis zwei Monaten haben wir uns wieder getrennt», sagt sie den Behörden, «bzw. scheiden lassen.» Warum? «Das war von uns beiden aus bzw. eher von ihm aus. Er bzw. Allah wollten es so.» Wie glaubwürdig diese Aussagen sind, muss sich in den Ermittlungen noch zeigen. Sicher aber ist, dass Arber auch gegenüber anderen in Wien anwesenden Islamisten angab, er wolle seine Ehefrau besuchen.

Tipps vom Salafisten-Prediger

Wie die Verkuppelungspraxis in der islamistischen Szene funktioniert, zeigt auch ein anderer Fall. Die Polizei nimmt am 9. Dezember in Winterthur eine 17-jährige Frau fest und übergibt sie einen Tag später an die deutschen Behörden. Die Jugendliche war in die Schweiz gereist, um hier einen jungen Radikalen zu heiraten. Grund für die Auslieferung ins Nachbarland war laut gut informierten Quellen jedoch nicht die Heirat der Minderjährigen, sondern ein Strafverfahren der deutschen Behörden wegen Terrorpropaganda. Äussern wollen sich die zuständigen Stellen nicht. Die Kantonspolizei Zürich verweist bloss auf die Oberjugendanwaltschaft. Und dort heisst es, man könne zum Fall keine Stellung nehmen.

Ein weiteres bekanntes Beispiel ist der Fall von Alperen A. Dieser hatte Ende 2013 bei einer Koran-Verteil-Aktion in Stuttgart seine spätere Frau kennengelernt. Er liess sie an Ort und Stelle zum Islam konvertieren. Kurz darauf heiratete Alperen A. die junge Frau aus Tübingen in einer salafistischen Moschee in einem Stuttgarter Vorort.

Das Brautwesen in der radikalen Szene ist auch den Strafverfolgern nicht verborgen geblieben. Alexandra Ott Müller, leitende Jugendanwältin in Winterthur, hatte solche Fälle schon auf ihrem Tisch: «Für die Mädchen sind diese jungen Männer aus der radikalen Szene attraktiv. Diese Mädchen sind ebenfalls radikalisiert und wollen auf ihre Art den IS-Anhängern den Rücken stärken, ihnen eine Zierde sein, Kinder gebären.» Das Ganze sei Teil der Ideologie, nur mit Gleichgesinnten zu verkehren.

Im Internet sind solche Plattformen leicht zu finden. Viele davon sind einzig darauf ausgerichtet, strenggläubige Muslime miteinander zu verkuppeln. Während man auf einigen Websites ohne Kreditkarte nicht weit kommt, braucht es bei anderen nur eine E-Mail-Adresse und einen Vornamen. Wie auf anderen Dating-Seiten kann man auch hier die Profile nach Herkunft ordnen – und danach, ob man heiraten will.

Ein anderes Portal nennt sich «eine Heiratsbörse von Muslimen für Muslime». In einem Erklärvideo wird deutlich, auf welche Art Klientel es mit dem Angebot abzielt. Auf heiratswillige, junge und vor allem strenggläubige Männer. Auf dieser Plattform gibt es unter anderem eine Geschlechtersperre, wie es im Filmchen heisst. Das bedeutet, Männerprofile können nur Frauenprofile sehen und umgekehrt. Das soll der «ernsthaften Partnersuche» dienen. Auf dem Youtube-Kanal der Plattform findet sich eine Bekanntheit der Szene: Marcel Krass. Der umstrittene salafistische Prediger und deutsche Konvertit philosophiert darin über die Rechte und Pflichten in der Ehe.

Etwas moderner kommen einige Apps daher, die dasselbe Ziel verfolgen. Eine davon ist der Dating-Applikation Tinder zum Verwechseln ähnlich: Ein Wisch nach rechts, und der Austausch zwischen Mann und Frau kann losgehen. Zuvor müssen jedoch auch hier noch ein paar religiöse Fragen geklärt werden – etwa, welcher Konfession innerhalb des Islam man angehöre, ob man Alkohol trinke, rauche oder halal esse.

Wie stark werden solche Angebote genutzt? Bei der Föderation islamischer Dachorganisationen der Schweiz heisst es auf Anfrage, man habe bisher keinen Bezug zu solchen Plattformen gehabt. Diese gebe es nicht nur für Muslime, sondern auch in christlicher oder jüdischer Ausführung.

«Bei Gott, nie habe ich so etwas gewusst»

Ob Arbers Ex-Ehefrau Leonora bei dem Attentat eine Rolle spielte, bleibt bis jetzt nebulös. Laut «Puls 24» war sie bereits als Jugendliche wegen extremistischer Chats bei den Behörden aktenkundig geworden. Zudem schickte die Niederösterreicherin gemäss eigenen Angaben auch schon Geld an inhaftierte Muslime. Sie bestreitet aber vehement, eine Verbindung zum Attentäter gehabt, geschweige denn, etwas von seinen Terrorplänen geahnt zu haben. «Bei Gott, nie habe ich so etwas gewusst. Weder von Kujtim noch von jemand anderem.»

So ganz stimmt das aber nicht. Denn etwas mehr als zwei Wochen vor dem Terroranschlag notierte sich die junge Frau die Adresse und den Namen des Attentäters auf ihrem Handy. Alles ein Zufall, behauptet sie in der Vernehmung. Sie habe auf einem Online-Marktplatz ein Buch über die Grundlagen des Islam gesucht. Gemeldet habe sich schliesslich Kujtim F. Sie habe ihm Geld geschickt, er ihr das Buch.

Inzwischen führt die Staatsanwaltschaft Wien zwei Verfahren gegen die junge Frau. Einerseits geht es um den Verdacht der Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung und einer kriminellen Organisation. Andererseits untersucht die Behörde, ob Leonora zum Anschlag von Wien beigetragen hat. Auf Anfrage teilt die Staatsanwaltschaft mit, in diesem Punkt bestehe kein grosser Tatverdacht. Zudem sei die Frau nicht vorbestraft.

Arber selbst und sein Mitfahrer Mauro sitzen seit fast fünf Monaten in Untersuchungshaft. Laut Schweizer Bundesanwaltschaft wird weiterhin gegen die beiden Islamisten ermittelt – unter anderem auch wegen strafbarer Vorbereitungshandlungen für Mord und wegen Gehilfenschaft zu Mord.