Digitales Testsystem : Wissenschaftler sehen Möglichkeit, Lockdown zu beenden

MESOPOTAMIA NEWS: ENDLICH ! ERFASSUNG & ABSOLUTE PERSONALE ZUORDNUNG VON CORONA STATUS  / DIGITALER STEMPEL AUF DEM WEG ZUR ALLGEMEINEN DEUTSCHEN GESUNDHEITSAKTE

Wissenschaftler und Unternehmen sehen eine Möglichkeit, den Lockdown durch massenhafte Antigentests zu beenden. Anfang März kommen bis zu 30 verschiedene Corona-Tests auf den Markt, mit denen sich jeder binnen einer Viertelstunde selbst testen kann. Marburger Forscher schlagen gegenüber der F.A.S. ein Computersystem vor, mit dem Bürger sich vor dem Besuch eines Restaurants, Konzertes oder eines Friseursalons testen können, um einen digitalen Passierschein zu erhalten.

Geimpfte und Immune erhielten eine dauerhafte Erlaubnis.

Kai Nagel von der Technischen Universität Berlin, der für die Bundesregierung Computersimulationen des Infektionsgeschehens berechnet, hält solche Überlegungen für „plausibel“. Sollte es durch Tests gelingen, neunzig Prozent aller Infizierten zu isolieren, gäbe es „kein relevantes Infektionsgeschehen mehr“. Der Kölner Virologe Florian Klein sagt: „Die Gültigkeit eines Tests dürfte nur einen Tag betragen.“

Unternehmen sind überzeugt von Tests

Er könnte sich unter strengen Bedingungen die Öffnung von Restaurants vorstellen. „Bei einem Lokal mit gutem Hygienekonzept wäre das eine Möglichkeit.“ Sollten Selbsttests zur Pandemiebekämpfung geeignet sein, sieht der Münchner Verwaltungsrechtler Martin Burgi die Bundesregierung in der Pflicht, dieses mildere Mittel zu fördern. „Die Politik hat eine Verpflichtung, smarte Lösungen zu fördern, und kann nicht immer nur die ordnungsrechtlichen Maßnahmen verschärfen.“

Handelsketten wie Peek & Cloppenburg und Woolworth loben die Überlegungen. Man begrüße „grundsätzlich Ideen, die uns schneller ein Stück Normalität zurückbringen“, hieß es von Peek & Cloppenburg. „Die Nutzung von Antigen-Selbsttests sehen wir als eine weitere gute Möglichkeit, verantwortungsvoll zu handeln und den aktuellen Lockdown gemeinsam zu beenden“, teilte Woolworth mit.

Der Reiseveranstalter TUI berichtet von guten Erfahrungen mit Tests. Wer eine Kreuzfahrt oder einen Spanien-Urlaub bucht, muss einen negativen PCR-Test vorweisen. Unter Video-Anleitung hatten Touristen diese Tests sogar selbst vorgenommen. „Das funktioniert. Mit guten Antigentests wird es noch einfacher. Wir erwarten, dass solche Tests für Reisen in diesem Sommer weithin eingesetzt werden“, sagte ein Sprecher.

Eine Gruppe mittelständischer Unternehmen, die unter Marken wie Kinopolis und Cineplex knapp die Hälfte aller Kinos in Deutschland betreiben, klagt aktuell gegen den Lockdown. Einer der Wortführer, Hans-Joachim Flebbe, hält das Freitesten für eine gute Übergangslösung. „Tests können das Vertrauen zurückbringen, dass sich im Kino niemand ansteckt.“

Freitesten für Restaurants und Clubs

Auch Gastronomen und Hoteliers hoffen, bald Gäste mit negativen Testergebnissen empfangen zu dürfen. In Hamburg hat Axel Strehlitz, der unter anderem das Klubhaus St. Pauli und das Udo-Lindenberg-Museum betreibt, zusammen mit einem IT-Unternehmer eine App entwickelt. Sie soll Testergebnisse fälschungssicher Personen zuordnen können und ihnen den Zutritt zu den Lokalen für bis zu 36 Stunden ermöglichen. „Wir waren damit im vergangenen September fertig“, sagt Strehlitz.

Die Hamburger Gesundheitsbehörde habe das Konzept aber nicht genehmigt. Neue Verfahren könnten die Kosten für einen Test auf unter zehn Euro drücken, glaubt Strehlitz. Dann sei das Freitesten auch für einen einzelnen Restaurant- oder Clubbesuch interessant. Sobald es einen politischen Beschluss dazu gebe, sei so etwas schnell umzusetzen, sagt Marcus Bernhard, der Vorstandsvorsitzende der Hotelgruppe Deutsche Hospitality, zu der unter anderem die Steigenberger Hotels gehören. „Ich persönlich denke, dass der Einsatz von Schnelltests eine praktikablere und schneller umsetzbare Lösung ist als der Nachweis einer Impfung.“

In der Geschäftsleitung der Frankfurter Messe, des größten Messeveranstalters der Welt, gelten Schnelltests für alle Besucher als machbar. „Wir könnten das organisieren“, sagt Iris Jeglitza-Moshage.

Für Schnelltests könne man auch an Ort und Stelle vor dem Eingang geeignete Räume zur Verfügung stellen. Zusammen mit den Profiligen im Handball, Eishockey und Basketball, mit Kultur- und Gaststättenverbänden versucht die Deutsche Fußball-Liga ein Nachverfolgungssystem mit einer Schnittstelle zu den Gesundheitsämtern zu schaffen. Der Nachweis eines negativen Corona-Tests könnte in diese Lösung integriert werden, heißt es aus den beteiligten Verbänden.

Die große Unbekannte bleibt die Verbreitung von Mutationen. „Die jetzt auftretenden Virusvarianten stellen leider eine große Gefahr dar, das Infektionsgeschehen schwieriger kontrollieren zu können“, sagt der Virologe Klein. In Großbritannien etwa rät die Regierung von der Urlaubsplanung ab und will mit Lockerungen warten, obwohl jeder vierte Erwachsene mit der ersten Dosis geimpft ist. Sorgen macht eine neue, womöglich noch ansteckendere Variante des Virus aus Bristol, die eine Mutation der Variante B.1.1.7 ist. Britischen Forschern zufolge verhindern Impfstoffe aber auch bei der Bristol-Variante schwere Verläufe.

Der Mobilitätsforscher Nagel hält die Gefahr durch B.1.1.7 für beherrschbar. „Unsere Simulationen sagen im Moment, dass die Mutation B.1.1.7 mit den jetzigen Maßnahmen beherrschbar bleibt. Vorausgesetzt, die Leute bleiben so vorsichtig.“