MESOPOTAMIA NEWS : DIE ROT-CHINA MUTATION DES JENS SPAHN SAMT google und Algorithmus
Ende der Fünfziger Jahre hatte Konrad Adenauer die Idee, ein staatsgelenktes Fernsehen einzuführen. Endlich ein Sender, in dem die Zuschauer nur das zu sehen und zu hören bekommen, was der Regierung passt: Der Traum jedes Kanzlers!
Es wurde dann nichts aus dem schönen Vorhaben, das Bundesverfassungsgericht schob dem „Adenauer-Fernsehen“ einen Riegel vor. Aber nur, weil eine Idee einmal am Kleingeist der Richter gescheitert ist, heißt das noch nicht, dass sie für immer tot sein muss.
Das Fernsehen von heute ist die digitale Welt, und in der ist kein Unternehmen so mächtig wie Google. Was die Menschen lesen und sehen, hängt nicht unwesentlich davon ob, was Google anzeigt beziehungsweise wo: weit oben, gleich unter den Anzeigen – oder irgendwo im Google-Keller auf Seite sechs oder sieben, wo nur noch die ganz Hartnäckigen hinfinden.
Wie wäre es, um die Idee von Adenauer in die moderne Zeit zu überführen, wenn die Regierung mit ihrem Informationsangebot ganz oben auf der Seite auftauchen würde? Am besten in einem eigenen Kasten, so dass wirklich niemand daran vorbei sieht? Und zwar unabhängig vom berühmten Google-Algorithmus, der nur Dinge nach oben lässt, die viele Menschen lesen und anklicken?
Klingt nach einem ziemlich abgefahrenen Plan, genau das ist jetzt aber seit November Wirklichkeit. Gesundheitsminister Jens Spahn und der deutsche Google Chef Philipp Justus haben einen Deal geschlossen, wonach Google Informationen aus dem Gesundheitsministerium so behandelt, als würden sie jeden Tag millionenfach geklickt. Wer in die Suchleiste zum Beispiel „Grippe“ oder „Migräne“ eingibt, wird als erstes auf das Regierungsangebot verlinkt.
Das ist, gerade in Corona-Zeiten, eine praktische Sache. Endlich eine Suchmaschine, auf der die Bürger bei bestimmten Anfragen vor allem anderen das zu sehen bekommen, was der Regierung passt. Nein besser noch: Auf der sie als erstes das zu sehen bekommen, was die Regierung selbst schreibt. Ich glaube, Adenauer wäre vor Neid erblasst.
Jan Fleischhauer
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