NEUSPRECH & EINHEIT  / 30 JAHRE WIEDERVEREINIGUNG / Bemerkenswerte 19 Prozent der Ostdeutschen halten die Meinungsfreiheit in der Bundesrepublik für geringer als damals in der DDR.

Jeder zweite Ostdeutsche ist mit der gegenwärtigen Demokratie unzufrieden NEUE ZÜRCHER ZEITUNG  3. Okt 2020

Das ist passiert: Genau 30 Jahre nach der Wiedervereinigung scheinen einige Unterschiede zwischen Ost und West wie zementiert – nicht nur in wirtschaftlicher, sondern auch in weltanschaulicher Hinsicht. Das zeigt eine neue Umfrage, deren Ergebnisse zum heutigen Tag der Deutschen Einheit veröffentlicht wurden. Demnach sind «mit der Art und Weise, wie die Demokratie in Deutschland funktioniert», immerhin 68 Prozent der Westdeutschen zufrieden, aber nur 50 Prozent der Ostdeutschen. Die Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern, Manuela Schwesig (SPD), sagte dazu in einem Radiointerview: «Mir machen die Zahlen Sorgen.»

Darum ist es wichtig: Bemerkenswerte 19 Prozent der Ostdeutschen halten die Meinungsfreiheit in der Bundesrepublik für geringer als damals in der DDR. Wenn zwischen Zwickau und Rostock, zwischen Erfurt und Potsdam jeder fünfte Deutsche einer Meinungsfreiheit nachtrauert, die es faktisch nicht gab, verbindet sich die Verklärung des SED-Staates mit einer Fundamentalkritik am gegenwärtigen Deutschland.

VOLLTEXT https://www.nzz.ch/international/jeder-zweite-ostdeutsche-ist-mit-der-demokratie-unzufrieden-ld.1579747?mktcid=nled&mktcval=164_2020–10-03&kid=_2020-10-2&ga=1&trco=