THEO VAN GOGH ZEITZEICHEN : „SINGULARITY IS NEAR!“ ODER ZUR LAGE DES REST-SUBJEKTS! / CHAT-GPT IN DAVOS

hatGPT : Die digitale Allzweckwaffe

Was kann KI und was wird sie können?

Die Software ChatGPT wird als nächstes großes Ding gehandelt, vergleichbar mit der Google-Suchmaschine und dem iPhone. Was steckt hinter der Verheißung – die manche als Bedrohung ansehen?

Die Halbwertzeit für technologische Innovationssprünge ist mitunter recht kurz. Das jedenfalls war der Eindruck, den Besucher des Weltwirtschaftsforums in Davos in dieser Woche bekommen konnten. Viele Unternehmen hatten sich für das Elitetreffen in den Bergen nämlich Demonstrationen rund um das Metaversum einfallen lassen. Nicht nur der Facebook-Mutterkonzern Meta lud Gäste auf eine digitale Reise zu Bergen und Stränden ein, auch anderswo konnte man an virtuellen Büromeetings teilnehmen oder weit entfernte Städte besuchen. Als die Planungen für die Show in den Schweizer Alpen liefen, ahnte aber noch niemand, wer der eigentliche Star der Veranstaltung sein würde: ChatGPT, die Software, die Anwendungen rund um Künstliche Intelligenz (KI) auf ein völlig neues Niveau hebt und breiten Schichten zugänglich macht. Es gab kaum ein Gespräch, in dem nicht von den neuen Chancen, aber auch potentiellen Risiken die Rede war.

Was dahinter steckt? Es ist keine zwei Monate her, dass die Software des amerikanischen Unternehmens Open AI herauskam. Der Rummel um sie ist so groß geworden, dass ihre Ankunft vielfach schon als Monumentalereignis in der Technologiebranche gewertet wird, ähnlich wie einst die Suchmaschine von Google oder das iPhone von Apple. ChatGPT ist ein sogenannter Chatbot, der mithilfe von KI die unterschiedlichsten Anfragen beantworten kann, und er tut das mit erstaunlicher Qualität und einer Eloquenz, die einer Unterhaltung mit einem Menschen ähnelt. Die Software ist wie eine digitale Allzweckwaffe. Sie schreibt Liebesbriefe ebenso wie Programmiercode, sie verfasst Gedichte und sogar ganze Drehbücher, sie schlägt Marketingkampagnen vor, und wer will, kann sich von ihr auch Beziehungstipps geben lassen.

 

 

Sam Altman : Der Start-up-Yoda, der hinter ChatGPT steckt

  • Von Roland Lindner, New York  – -Aktualisiert am 11.01.2023-09:54

Sam Altman hat mit ChatGPT für einen Paukenschlag in der Technologieindustrie gesorgt – und muss jetzt daraus eine wirtschaftliche Erfolgsgeschichte machen.

Sam Altman ist gerade der größte Wurf in der Geschichte des von ihm geführten Unternehmens Open AI gelungen. Und doch müht er sich in diesen Tagen, die Begeisterung rund um ChatGPT etwas zu bremsen. Die von Open AI entwickelte Software hält seit ihrer Veröffentlichung Ende November mit ihren erstaunlich kompetenten und menschenähnlichen Antworten auf Fragen aller Art die Internetwelt in Atem, aber Altman hat wiederholt auf ihre Schwächen hingewiesen. Es sei noch kein marktreifes Produkt, sondern ein Forschungsprojekt. Die Software sei in ihren Fähigkeiten limitiert, und man solle sich noch nicht auf sie verlassen. Sie führe ihre Nutzer sogar selbst in die Irre und erwecke den Eindruck, sie sei besser, als es der Realität entspreche.

In der Tat liegt ChatGPT noch oft daneben. Aber die Software hat der Welt einen ganz neuen Blick darauf eröffnet, wozu Künstliche Intelligenz in der Lage sein kann, inklusiver etwaiger Kehrseiten. Sie lässt digitale Assistenten wie Alexa alt aussehen und wirft sogar die Frage auf, ob Google sich um die Zukunft seiner Suchmaschine Sorgen machen muss. Und sie bringt ihren Hersteller Open AI, der bislang jenseits der Technologiebranche kaum bekannt war, in eine ganz neue Liga, offenbar spricht er mit dem Softwarekonzern Microsoft und anderen Geldgebern über eine mögliche Milliardeninvestition. Das rückt nun auch Altman selbst mehr denn je ins Rampenlicht, was ihm aber etwas zu widerstreben scheint, denn trotz des gewaltigen öffentlichen Interesses hält er sich derzeit mit Interviews zurück.