THEO VAN GOGH NEUSTES: Antisemitisch und gegen die EU : Der Erfolg von Polens radikalen Rechten

Braun (mitte), mit Krzysztof Tuduj (links) und Robert Winnicki (rechts) im Sommer 2022 in der polnischen Stadt Rzeszów

Die Rechtsaußen-Partei „Konfederacja“ spricht von einem Polen außerhalb der EU. Nach der nächsten Wahl könnte sie Königsmacher werden. Woher kommt ihr Erfolg?’

Als im August 2020 in Berlin auf dem Höhepunkt der Proteste gegen die Corona-Maßnahmen Hunderte Menschen versuchten, das Gebäude des Reichstags zu stürmen, war auch ein Abgeordneter des polnischen Parlaments dabei. Ein Foto zeigt den 56 Jahre alten Grzegorz Braun, wie er in dunklem Anzug und Krawatte ein Gitter überwindet. Polens liberale Me­dien waren schockiert. „Kompletter Wahnsinn. Polnische Faschisten über­fallen den Bundestag“, twitterte der be­kannte Journalist Tomasz Lis. „Die extreme Rechte testet die Widerstandskraft des demokratischen Systems“, schrieb die Zeitschrift „Polityka“ und fragte: Wie konnten der frühere Filmregisseur Braun – und mit ihm „Tausende normale junge Menschen“ in Polen – sich in solche „ge­fährliche Regionen“ verirren? Die Zeitschrift bemerkte auch, dass die Berliner Reichstag-Stürmer um Braun schwarz-weiß-rote Reichsflaggen trugen, also die Fahnen jenes Staates, der große Gebiete Polens bis 1918 besetzt hielt.

Was Braun von der demokratisch ge­wählten rechten Regierung seines eigenen Landes hält, hat er vor einigen Jahren auf einem Wahlabend in der Foksal-Straße in Warschau verkündet. Als er erfahren hatte, dass zu später Stunde auch ein Korrespondent der F.A.Z. er­schienen war, eilte er herbei und wetterte, die Regierenden betrieben eine Propaganda, die „goebbelsistisch“ sei, vergleichbar jener der polnischen Kommunisten und der deutschen Nazis. Braun, das Enfant terrible des polnischen Par­laments, macht immer wieder von sich reden, etwa als er sich während der Pandemie weigerte, eine Schutzmaske zu tragen, und des Saales verwiesen wurde.

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