THEO VAN GOGH KLEINLAUTE AUS FRANKFURT – Zinserhöhungen : Die Signale aus der EZB werden vorsichtiger
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Von Christian Siedenbiedel FAZ – -Aktualisiert am 21.03.2023-16:58 – Wie geht die EZB nun weiter vor?
Wie geht es angesichts des Banken-Bebens weiter mit den Zinserhöhungen der großen Notenbanken? Amerikas Fed muss sich am Mittwoch entscheiden. Die EZB hat schon den 4. Mai im Blick.
Die Stimmen aus der Europäischen Zentralbank (EZB), die sich mit dem weiteren Kurs der Zinspolitik befassen, klingen vorsichtiger als noch vor Kurzem. So hatte das österreichische EZB-Ratsmitglied Robert Holzmann Anfang März recht forsch angekündigt, wenn sich die Kernrate der Inflation, das ist die Teuerung ohne stark schwankende Preise für Energie und Lebensmittel, im ersten Halbjahr nicht wesentlich abschwäche, rechne er nach März mit drei weiteren Zinserhöhungen um jeweils 0,5 Prozentpunkte.
Jetzt ruderte Holzmann ein wenig zurück. „Ich würde die drei Zinsschritte nicht ausschließen, aber auch nicht sagen, dass sie notwendigerweise kommen“, sagte der Notenbanker in einem Interview. „Was sich in der Zwischenzeit ergeben hat, ist, dass durch diese Krisen und Hilfsmaßnahmen die Liquidität im Finanzsystem gesunken ist.“
Andere EZB-Ratsmitglieder waren zunächst einmal bemüht, die Stabilität des Bankensystems in ihren Ländern herauszustreichen; zuletzt etwa das spanische EZB-Ratsmitglied Pablo Hernandez de Cos.
Die EZB will den Planungen zufolge am 4. Mai das nächste Mal über eine mögliche weitere Zinserhöhung entscheiden. Bei der amerikanischen Notenbank Federal Reserve (Fed) steht die Entscheidung schon jetzt am Mittwoch an.
Während in der vergangenen Woche die amerikanische Investmentbank Goldman Sachs mit der Prognose für Aufmerksamkeit gesorgt hatte, die Fed werde angesichts des Bankenbebens die Zinsen im März überhaupt nicht anheben, wurden zuletzt die Stimmen wieder lauter, die zumindest eine kleine Zinserhöhung um 0,25 Prozentpunkte für möglich halten.
BIZ unterstützt den Kurs der Notenbanken
„Vor dem Hintergrund einer robusten amerikanischen Wirtschaft und einer nach wie vor hohen Nachfrage kann sich die Notenbank mit einer Kerninflationsrate von 5,5 Prozent im Februar nicht zufriedengeben“, sagte Franck Dixmier, Anleihenfachmann beim Vermögensverwalter Allianz Global Investors.
„Wir erwarten, dass die amerikanische Notenbank ihren Leitzins am Mittwoch um einen Viertelprozentpunkt anhebt“, sagte Jörg Krämer, der Chefvolkswirt der Commerzbank: „Mittlerweile preisen die Finanzmärkte einen solchen Schritt wieder mit einer Wahrscheinlichkeit von 80 Prozent ein.“
Für eine weitere Zinserhöhung in Amerika spreche das nach wie vor ausgeprägte Inflationsproblem. Für die Liquiditätsnöte einzelner amerikanischer Banken würde ein Verzicht auf eine Leitzinserhöhung nicht weiterhelfen, meint der Ökonom. Hier setze die Fed zu Recht auf ein anderes Instrument, nämlich auf Liquiditätskredite für die betroffenen Banken.
Die EZB folge ebenfalls diesem „Separationsprinzip“, sagte der Ökonom: „Mit höheren Leitzinsen will sie die Preisstabilität wiederherstellen – zur Finanzstabilität trägt sie mit der Ankündigung bei, im Bedarfsfall ausreichend Liquidität gegen Sicherheiten bereitzustellen.“
Auch Agustin Carstens, der Chef der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ), stellte sich hinter die bisherigen Schritte der Notenbanken zur Beilegung der Turbulenzen: „Wir unterstützen voll all die Maßnahmen, die die Zentralbanken getroffen haben“, sagte er auf einer Finanzkonferenz der BIZ.
0,25 Prozentpunkte bei der EZB im Mai
Für die EZB rechnen die Analysten von Goldman Sachs jetzt für Mai nur noch mit einer Zinserhöhung um 0,25 Prozentpunkte – nicht mehr wie bisher um 0,5 Prozentpunkte. Für die Zinssitzung im Juni könnte dann noch einmal eine kleine Zinserhöhung um 0,25 Prozentpunkte anstehen, sagte Goldman-Europa-Chefvolkswirt Jari Stehn.
„Die Banken nehmen der EZB einen Teil der Arbeit ab“, meinte Holger Schmieding, der Chefvolkswirt des Bankhauses Berenberg: „Je mehr die Banken die Finanzierungsbedingungen für die Wirtschaft härten, desto weniger müssen die Zentralbanken es tun, indem sie die Leitzinsen anheben.“ Die Finanzturbulenzen und der Rückgang der Öl- und Gaspreise minderten den Inflationsdruck, sagte der Ökonom. Darauf dürften sicherlich auch die „Tauben“ im EZB-Rat, die Vertreter einer lockereren Geldpolitik, hinweisen.
Und auch Karsten Junius, Ökonom der Bank J. Safra Sarasin, ist überzeugt: „Die Stimmen aus der EZB dürften vorsichtiger werden.“