THEO VAN GOGH GOSS-BLASEN:  Unser einziger wertvoller Rohstoff sind Chips!

Editorial : Das 500-Milliarden-Dollar-Loch – Von Holger Schmidt FAZ -10.07.2024,

An der Wall Street wird die Diskussion lauter, ob sich die gigantischen Investitionen, die vor allem Microsoft, Google oder Meta in die Künstliche Intelligenz stecken, in absehbarer Zeit rechnen.

Goldman Sachs fuhr MIT-Professor Daron Acemoglu auf, der vor übertriebenen Erwartungen warnt. Der zu erwartende Produktivitätseffekt der generativen KI für die amerikanische Volkswirtschaft sei viel geringer als erhofft.

An anderer Stelle macht David Chan vom bekannten Risikokapitalgeber Sequoia die Rechnung auf, dass aktuell 600 Milliarden Dollar Investitionen in die KI nur etwa 100 Milliarden Dollar zusätzlich erzeugtem Umsatz im Jahr gegenüberstehen. Bleibe also ein Loch von 500 Milliarden Dollar, das mit jedem Tag größer werde, da die Investitionen schneller steigen als die Umsätze.

Anders als bei früheren Basistechnologien wie der Eisenbahn sei im Fall der KI nicht garantiert, dass die heute aufgebauten Kapazitäten (in Form der KI-Chips) sich schon irgendwann auszahlen. Denn anders als bei den Bahngleisen, auf der später für viele Jahre Züge fuhren, entwerte der technische Fortschritt die heutigen Investitionen in Chips sehr schnell. Schon die neue B100-Chip-Generation von Nvidia werde die Amortisation der Milliarden, die in die aktuelle H100-Generation fließen, deutlich erschweren. Nvidia werde für die neuen B100-Chips wohl noch einmal astronomische Preise aufrufen können, aber spätestens danach sei mit einem Preisverfall zu rechnen. Der sei zwar gut für Innovatoren und Startups, die nicht mehr den Großteil ihres Geldes für Rechenleistung ausgeben müssten. Aber könnte schlecht für die heute investierenden Unternehmen sein, die ihren Zeitvorteil nicht in Umsätze umwandeln können.

Noch sind diese Warnrufe nicht bei den Anlegern angekommen. Die größten KI-Profiteure sind heute die fünf wertvollsten Unternehmen der Welt: Apple, Microsoft, Nvidia, Alphabet und Amazon. Sie haben ihren Börsenwert seit dem Start von ChatGPT im November 2022 auf rund 13 Billionen Dollar beinahe verdoppelt. Doch je weiter Investition und Umsatz auseinanderklaffen, desto größer sei die Gefahr, dass das Loch eines Tages zu groß wird. Hoffnung ist eben keine Strategie.

David Chan bleibt aber Optimist. Spekulative Wellen seien Teil der Technologie und daher nichts, wovor man Angst haben müsse. Wer jetzt einen kühlen Kopf bewahre, haben die Chance, extrem wichtige Unternehmen aufzubauen. „Aber wir müssen sicherstellen, dass wir nicht an die Illusion glauben, die sich vom Silicon Valley erst auf den Rest des Landes und inzwischen auf die ganze Welt ausgebreitet hat. Diese Illusion besagt, dass wir alle schnell reich werden, weil die Allgemeine Künstliche Intelligenz morgen kommt und wir nur den einzigen wertvollen Rohstoff horten müssen, nämlich Chips“.