PYD Kurden in Syrien: “Wir kämpfen Amerikas Krieg gegen den Terror direkt hier on-the-ground!”
International Business Times – 31.8.2013 – Als ob Syrien nicht bereits genug Krieg hätte, sind vor kurzem auch Kämpfe im Nordosten des Landes zwischen Kurden und radikalen Islamisten ausgebrochen. Beide sind keine engen Freunde des Assad-Regimes. In Ras al-Ayn kommen alle aktuellen Probleme des Landes zusammen.
Die Stadt bildet nicht nur die Frontlinie zwischen Kurden und Arabern, sie steht auch direkt an der syrisch-türkischen Grenze. Die Stadt ist die Front zwischen den Kämpfern der Kurdischen Verteidigungseinheiten (YPG) und den Islamisten der al-Kaida, bzw. der Al-Nusra-Front.
Das Ergebnis der zweijährigen Kämpfe in Syrien ist nun ein Bürgerkrieg im Bürgerkrieg. Die USA drohen als Reaktion auf den angeblichen Chemiewaffenangriff vom 21. August in den östlichen Vororten von Damaskus mit einem militärischen Eingreifen.
Für den amerikanischen Präsidenten und Friedensnobelpreisträger Obama könnten die Kurden noch Anlass für so manche Kopfschmerzen sein. Die USA haben signalisiert, dass sie nicht beabsichtigen in Syrien einzumarschiere. Sie wollen eigentlich nur ein paar Raketen auf Assads Truppen schießen und sehen dann was als nächstes passiert. Das ist, angesichts der angespannten Finanzlage in Washington und angesichts des klaren Njet aus Moskau so ziemlich das einzige, wozu die USA überhaupt im Stande wären. Doch für die kurdischen Kämpfer in Ras al-Ayn besteht nicht der geringste Zweifel daran, auf welcher Seite die USA in den Krieg ziehen sollten, wenn überhaupt.
“Wir kämpfen Amerikas Krieg gegen den Terror direkt hier on-the-ground”, sagte der kurdische Kämpfer Dijwar Osman. Und: “Unsere Feinde sind die Al-Kaida-Kämpfer, die unsere 4.000-jährige kurdische Kultur zerstören wollen. Diese Dschihadisten kommen aus Belgien, Holland, Marokko, Libyen und anderen Ländern. Leider sind die USA und die Türkei auf der Seite der Al-Kaida, genau so wie die USA auf der Seite der Al-Kaida in Afghanistan während der 80er Jahren waren.”
Die Kämpfe brachen aus, nachdem im Juni dieses Jahres die über 2 Millionen syrischen Kurden ihre Autonomie in einer Region erklärten, die die Kurden “westliches Kurdistan” oder “Rojava” nennen.
Die Kurden machen in Syrien etwa 10 Prozent der Bevölkerung aus. Damit sind sie die größte ethnische Minderheit des Landes. Rojava, welches etwa 10 Prozent der Fläche des Landes abdeckt, haben sie nun in einen de facto kurdischen Mini-Staat verwandelt. Sie haben hier ihre eigene Armee und Polizei. Die Namen von Städten haben sie aus dem Arabischen ins Kurdische übersetzt. Die kurdische Sprache wird in den Schulen gelehrt – etwas, das unter dem Assad-Regime verboten wurde. Während das Assad-Regime mit der islamistischen Opposition anderswo auf Leben und Tod kämpft, sind die Kurden standhaft in ihren Autonomiebestrebungen. Für alle Seiten ist klar, dass die Selbstverwaltung der Kurden zu einem Aufbrechen des syrischen Staates führen wird.
„Wir Kurden sind neutral. Wir sind weder für das Regime noch für die Rebellen,” sagte Aras Xani, ein lokaler Lehrer. Aber: „Nicht Assad, sondern die Islamisten sind unser größter Feind. Das Assad-Regime hat uns nur unterdrückt. Die Dschihadisten wollen uns auslöschen.”
Arases Bruder Sores, ist der Leiter der örtlichen Polizei. Gemäß dem Polizeikommandanten hatten die die Kurden keine andere Wahl, als ihre Autonomie auszurufen. „Der Krieg hatte ein Vakuum geschaffen. Es gab keine Behörden mehr,” erklärte er. Auf den Straßen der kurdischen Gebiete in Syrien stehen immer wieder schwer bewaffneten Kämpfer der kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG) und bewachen Checkpoints. Die YPG ist die inoffizielle Armee von Rojava. Die meisten Mitglieder sind lokale syrischen Kurden, aber sie haben auch Kämpfer aus dem Irak und der Türkei. Die meisten tragen Buttons von Abdullah Öcalan, dem inhaftierten Führer der türkischen Arbeiterpartei Kurdistans (PKK).
Sinam Muhammad, Mitglied des Hohen Kurdischen Rates in der Stadt Qamishli, sagte: “Es ist im Interesse der Türkei, sichere Grenzen zu haben. Aber bis jetzt unterstützt die Türkei die radikalen Kämpfer, nicht die Kurden. Das finde ich sehr merkwürdig, weil diese Extremisten sich wiederum jeden Augenblick gegen die Türkei richten können.”
Mindestens 40 % der YPG-Kämpfer sind Frauen. Sie organisieren sich in den YPJ-Einheiten. An der Front kämpfen sie aber in gemischten Einheiten.
Roshna Akeed, eine Kommandeurin einer solchen Einheit, stellte fest, dass die Islamisten zwar zahlenmässig weit überlegen sind, weil sie Tausende von Freiwilligen aus Europa und dem Nahen Osten haben. Dennoch stört sich das Ungleichgewicht der Zahlen überhaupt nicht. “Ja, sie haben Quantität “, sagt sie. “Aber sie sind lausige Kämpfer. Sie sind unorganisiert. Es ist einfach für uns, sie zu töten.”
Auf dem Land, rund um Aleppo, heißt es, dass die Islamisten kurdische Städte ethnisch gesäubert haben. Die meisten Kurden kamen nach Rojava, um für ihre Freiheit und ihre Selbstbestimmung zu kämpfen. Die Islamisten in Syrien sind besorgt, dass die Autonomie der Kurden Syrien auseinander brechen werde. Die Türkei befürchtet, dass ein unabhängiges Kurdistan in Syrien neue Dynamik für separatistische Bestrebungen der rund 30 Millionen Kurden der Türkei geben wird. Aber wer kann den Kurden einen eigenen Staat verwehren?