MESOPOTAMIA NEWS „LBGTQ-WASCHANLAGE HOLLYWOOD“: Auf der Suche nach einer bislang von Rassismus-, Misogynie-, Homophobie- und Missbrauchsvorwürfen verschonten, möglichst weiblichen Moderatorenidealbesetzung / REISST „GRETA“ RAUS?

Oscars ohne Moderator : Idealbesetzung

  • Ein Kommentar von Elena Witzeck – FAZ  –  09.01.2020- – Ricky Gervais bei den Golden Globes

Zum zweiten Mal soll die Oscar-Verleihung in diesem Jahr ohne Moderator auskommen. Was Ricky Gervais damit zu tun hat – und auf wen sich eigentlich alle hätten einigen können.

Anfang dieser Woche schien es, als gäbe es in Hollywood zumindest einen, der es noch ungestraft durfte: sozialunverträgliche Witze reißen, den prominenten Filmdarstellern die Show stehlen und daran verdienen. Da hatte der britische Comedian Ricky Gervais gerade zum fünften Mal die Golden Globes moderiert, die Veranstalter rassistisch genannt, einen nominierten Film über zwei Kirchenoberhäupter pädophil – und den herumsitzenden Schauspielern in allem Freimut erklärt, warum es keine gute Idee sei, den Anlass für moralische Appelle zu nutzen. Wer rein gar nichts über die echte Welt wüsste, sei nicht in der Position, die Öffentlichkeit zu belehren.

Daran hielt man sich dann auch brav, und als größte Ausbeute des Abends darf ein tausendfach verbreitetes Meme von Tom Hanks gelten, der die Augen aufreißt und die Lippen zusammenpresst bei einem von Gervais’ Sprüchen. Nun aber die ernüchternde Nachricht von den bevorstehenden Oscars, die Verleihung werde wie schon im vergangenen Jahr abermals ohne Moderator auskommen müssen. Das hätte sich, so der ausstrahlende Sender ABC Entertainment, beim letzten Mal bewährt. Tatsächlich hatten sich einige Berichterstatter aus reiner Dankbarkeit über die verkürzte Nachtschicht wohlwollend zu der aus der Not geborenen Neuregelung geäußert. Und die Not, man erinnert sich, hatte der damals vorgesehene Moderator Kevin Hart mit schwulenfeindlichen Äußerungen verursacht.

Nun, da die Suche nach einer bislang von Rassismus-, Misogynie-, Homophobie- und Missbrauchsvorwürfen verschonten, möglichst weiblichen Moderatorenidealbesetzung offenbar erfolglos blieb, könnte der Auftritt von Gervais einer dreißig Jahre währenden Tradition den Todesstoß versetzt haben: genug Angriffe auf die moralische Integrität der Hollywoodhelden, genug heikle Zweideutigkeiten. Gervais ist das egal. Er behauptet, das sei sein letzter Auftritt bei den Globes gewesen. Wer sein Favoritin für die Nachfolge wäre, ist klar: Greta Thunberg, erprobt vor großem Publikum, ausreichend polarisierend und mit der richtigen Portion Schärfe für das Wesentliche ausgestattet, allerdings auch schwer zu kriegen.

Für die Oscars hat die Internetgemeinschaft nur einen Wunsch: Baby Yoda möge sich in letzter Minute der Sache annehmen. Dank seiner unbekannten Herkunft kulturell unvoreingenommen, wäre der Artverwandte des „Star Wars“-Weisen mit den grünen Ohren der Einzige, der es neben einem jungen britischen Paar auf Jobsuche gerade popkulturell mit Greta aufnehmen könnte. Er besäße die Fähigkeit, Jung und Alt für eine Nacht zu versöhnen. In seinen tiefen schwarzen Augen läge die Verheißung auf Erkenntnis. Auch jener, die den Unterschied zwischen der Saat von Zweifel am Selbstverständnis des Filmestablishments und der Diffamierung von Minderheiten offenbart.

Die Petitionen laufen noch.

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