MESOPOTAMIA NEWS : GUY DEBORD HAT DEN ZIONISMUS NICHT VERSTANDEN !?
Debord & der Zionismus – Warum die SI zwar Marx, nicht aber Israel verstanden hat
Vortrag von Stephan Grigat – gehalten am 7. Juli 2018 in Stuttgart – Staatliche Akademie der Bildenden Künste
Guy Debord und die Situationistische Internationale haben in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts neben der Kritischen Theorie eine der avanciertesten, an Marx orientierten Gesellschaftskritiken formuliert. Sowohl in ihrem expliziten Bezug auf die Marxsche Kritik des Fetischismus und Mystizismus kapitalistischer Gesellschaften als auch in ihren politischen Interventionen, die sich zu einem sehr frühen Zeitpunkt ganz explizit gegen die islamische Konterrevolution richteten, unterschieden sie sich sehr sympathisch vom Mainstream sowohl der reformistischen als auch der sich revolutionär dünkenden Linken. Ihre weitgehende Ignoranz gegenüber dem Antisemitismus verunmöglichte ihnen jedoch ein adäquates Verständnis des Zionismus und Israels, was unter anderem damit zu tun hat, dass sie sich zwar dem Marxschen kategorischen Imperativ verpflichtet fühlten, sich für den Adornoschen hingegen kaum interessierten.
(Debord war sogar derart „ignorant“, von Adorno nie eine Zeile gelesen zu haben, bei dem er wie bei Max Horkheimer allerdings darauf gestossen wäre – daß die beiden vom Zionismus überhaupt nichts und von Israel nur passager etwas wissen wollten ; MESOP Red.)
Stephan Grigat ist Permanent Fellow am Moses Mendelssohn Zentrum Potsdam, Research Fellow am Herzl Institute for the Study of Zionism and History der University of Haifa und Wissenschaftlicher Direktor von STOP THE BOMB in Österreich.
Volltext https://archive.org/details/180706GrigatGeschnitten
MESOPOTAMIA CULTUR „SITUATIONISMUS“ : GUY DEBORD – „HEIMAT!“
GUY DEBORD am 22. November 1985 in einem Brief an Mezioud Ouldamer zu dessen Buchprojekt Le Cauchemar immigH dans la decomposition de la France
»Die Hauptthese muss lauten [..1: Es wird keine Integration geben. Für diese ist es ebenso zu spät wie für Ausweisung. Frankreich wird niemanden integrieren können, nicht weil sie zu viele sind, sondern weil es zu wenig geworden ist. Es gibt kein Frankreich mehr.
Ganz bestimmt gibt es keine französische Kultur mehr. Es gibt keine >französische Lebensweise< mehr (wir sind das Amerika der Armen). Es gibt kein französisches Volk mehr. Schließlich gibt es nicht einmal mehr Christen, sodass es nicht mehr darum geht, ob die anderen Muslime sind: Die Rede vom >Ungläubigen< setzt den Gläubigen voraus, und die Franzosen glauben nicht mehr an ihr Schicksal, ihre Geschichte und ihren alten Ruf; sie haben sogar ihre alten Laster verloren. Sie sind Zuschauer, Lämmchen der Medien. Wenn die Immigranten für Frankreich >eine Chance< darstellen und auch andere Länder etwas lehren können, dann dadurch, dass sie das Ausmaß des Desasters erfahrbar machen, das all diese Länder hinweggerafft hat, die Vervollkommnung der Enteignung.«
Guy Debord war der theoretische und organisatorische Kopf der Situationistischen Internationale. Das erwähnte Buch des algerischstämmigen Essayisten Mezioud Ouldamer über die Frage der Massenzuwanderung nach Frankreich erschien im Dezember 1986 in der Editions Lebovici in Paris. Debord nahm sich im November 1994 das Leben. Das obenstehende Briefzitat entstammt dem Band: Guy Debord, Ausgewählte Briefe 1957-1994, Berlin 2011.