MESOPOTAMIA NEWS : DIE MORALISCHEN WELTMEISTER AUS DEUTSCHLAND

Thomas Eppinger  SCHLAGLICHTER (WIEN) –  14 Aug 2019

Markus Lanz spiegelt den jeweiligen Stand der deutschen Volkserziehung wider.

  1. Deutschland rettet die Welt, indem es die Grenzen Europas öffnet. Wer das in der Form für keine so gute Idee hält, ist europafeindlich, rassistisch oder Nazi. Länder, die dem deutschen Beispiel nicht folgen wollen, werden moralisch abgekanzelt und politisch und finanziell unter Druck gesetzt.

Zwei, drei Jahre später ist die Begeisterung der Bevölkerung über die einstige Moraloffensive gesunken. Die Schlagzeilen über Zuwanderer, die gefundene Brieftaschen mit tausenden Euros bei Polizeistationen abliefern, werden abgelöst von Berichten über Mord, Totschlag und Vergewaltigung. »Wir müssen uns hier ehrlich machen«, heißt es jetzt bei Lanz, und in bedeutungsschwerer, kritischer Pose fragt man nun, ob man denn in der Vergangenheit vielleicht da oder dort doch hätte genauer hinsehen müssen.

Die Überlegenheit deutscher Moral ist freilich ungebrochen und hat längst ein neues Objekt gefunden: den Klimawandel. Deutschland trägt zwar nur rd. 2,3 Prozent zum globalen CO2-Ausstoß bei, und selbst wenn das Land, seine Bewohner und seine Industrie morgen nicht mehr existieren würden, wäre die Auswirkung aufs Klima gleich Null. Allein schon die Steigerung des CO2-Eintrags von China würde die Selbstentleibung des größten Landes Europas in gut einem Jahr kompensieren.

Es kann nicht sein, was nicht sein darf. Mit solcher augenscheinlichen Bedeutungslosigkeit mag sich Deutschland nicht abfinden. Lieber zerstört man die eigene Industrie – das einzige Land der Welt mit Dieselfahrverboten ist das Land, das zu einem guten Teil vom Diesel lebt. Auf eine total verpfuschte Energiewende legt man noch eins drauf und steigt nach der Atom- auch aus der Kohleenergie aus, wie man Versorgungssicherheit buchstabiert, interessiert niemanden mehr. Strom kommt aus der Steckdose wie das Geld aus dem Bankomaten, alles gut.

Jetzt geht’s ans Eingemachte. Verzicht und Verbote werden gefordert, so kann’s ja wohl nicht weitergehen. Fleisch, Mobilität, Urlaube, wenn’s für die Deutschen unerschwinglich wird, ist das Klima gerettet, ganz bestimmt, wir schaffen das. Mit gutem Beispiel voranmaschieren, Verzeihung -gehen, dann wird der Rest der Welt schon folgen. Forschung, Innovation, technische Lösungen wie zB synthetische Kraftstoffe entwickeln? Maßnahmen auf Effektivität und Effizienz hin prüfen? Nebbich. Das war gestern. Jetzt ist System Change angesagt, ganz oder gar nicht, darunter macht man es in Deutschland nicht.

Wie der Förster gerade unter dem Applaus des Publikums sagt: Wenn er mit 80 oder 90 im Schaukelstuhl sitzt, will er sich nicht fragen müssen, ob er genug gegen den Klimawandel unternommen habe. So funktioniert dieses Land heute. Das eigene Gewissen und die eigene Befindlichkeit werden zum einzigen Maßstab allen Handelns.

Wie rigoros, unreflektiert und selbstgefällig dieses Land tickt, ist beängstigend. Denn wenn Deutschland sich zerstört, zerstört es auch den Kontinent.

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