MESOP : NEUES ÜBER ERDOGAN’S KOLONIALISTISCHE STEUERUNGSORGANE IN DEUTSCHLAND

Leiter Andreas Goldberg – ein „Doktor nur der Ehre“ – in schweren Turbulenzen

  • Das Zentrum für Türkeistudien (ZfT) seit Jahren von NRW finanziert & seine Pleiten –

DÜSSELDORF, 2. September. Der 1. September 2016 dürfte als schwarzer Donnerstag in die Geschichte des Zentrums für Türkeistudien und Integrationsforschung (ZfTI) in Essen eingehen. Es begann damit, dass der nordrhein-westfälische Landesrechnungshof dem Forschungsinstitut, das seit 2001 eine Stiftung des Landes ist und das vertiefte Kenntnisse über das Leben der türkischstämmigen Bevölkerung in Deutschland vermitteln und dabei helfen soll, gegenseitiges Misstrauen abzubauen, abermals ein verheerendes Zeugnis ausstellte. Demnach stellt das Institut offenbar seit Jahren gänzlich unrealistische Wirtschaftspläne auf: Für die Jahre 2011 bis 2013 wies es Einnahmen in erheblichem Umfang aus, die tatsächlich nie erwirtschaftet werden konnten.

Trotz mehrfacher Zuschüsse aus der Landeskasse (noch im vergangenen Jahr flossen 200 000 Euro nach Essen) hat das ZfTI immer noch Schulden in Höhe von beinahe einer Million Euro, es ist also ein Fass ohne Boden. Sein Personal muss das Institut teilweise mit Krediten bezahlen. Eindringlich warnte der Rechnungshof davor, so weiterzumachen wie bisher. Ohne ein Entschuldungs-, Kapitalerhaltungs-und Personal(abbau)konzept sei das ZfTI in seiner Existenz gefährdet. In seiner schriftlichen Stellungnahme zur Rüge des Rechnungshofs bestätigte der zuständige nordrhein-westfälische Integrationsminister Rainer Schmeltzer . (SPD), der zudem dem ZfTI-Kuratorium vorsitzt, die betrüblichen Feststellungen “weitestgehend”.

Eigentlich hätte Andreas Goldberg, der schon seit 1990 Stiftungs-Geschäftsführer ist, also alle Hände voll zu tun — wenn es da nicht eine kleine, aber gleichwohl erhebliche Ungenauigkeit in seinem Lebenslauf gegeben hätte, die geeignet ist, auch noch den akademischen Ruf des Essener Instituts zu beschädigen. Wie bei der Essener SPD-Abgeordneten Petra Hinz geht es auch diesmal wieder um das Prinzip „Mehr scheinen als sein”. Die „Westdeutsche Allgemeine Zeitung” berichtete, Goldberg, der bisher mit dem Titel „Dr.” aufgetreten war und so den Eindruck erweckt hatte, er sei mit einer wissenschaftlichen Arbeit promoviert worden, habe 2003 lediglich ein Diplom für einen Ehrendoktorgrad von der Süleyman-Demirel-Universität in Isparta bekommen.

Das nordrhein-westfälische Wissenschaftsministerium (das durch Staatssekretär Thomas Grünewald im Kuratorium vertreten ist) stellte umgehend klar, allgemein gelte, dass eine Ehrendoktorwürde nie in der Form „Dr.” geführt werden dürfe. „Wir fordern den Betreffenden auf, Nachweise beizubringen, dass ihm der von ihm geführte Grad verliehen wurde”, sagte ein Sprecher des Ministeriums. „Wenn sich dann herausstellt, dass er den Grad zu Unrecht führt, fordern wir ihn auf, das einzustellen.” Mittlerweile sind die Angaben zu Goldbergs Doktortitel auf der Internetseite des Instituts um den Zusatz „h. c.” (honoris causa) ergänzt. Gleichwohl stellte der Vorstand des ZFTI mit Wolfram Kuschke (dem früheren Chef der Staatskanzlei unter Johannes Rau) an der Spitze Goldberg am Donnerstag von seiner Arbeit frei.

Es ist nicht das erste Mal, dass das Institut Schlagzeilen macht. 2008 rief Faruk Sen, der die Einrichtung 1985 unter dem Namen “Zentrum für Türkeistudien” als Verein gegründet hatte, mit einem Artikel in einer türkischen Zeitschrift Empörung hervor. Sen hatte die Diskriminierung türkischstämmiger Einwanderer in Europa mit der Judenverfolgung in der Zeit der national-sozialistischen Herrschaft verglichen. Daraufhin kündigte der Vorstand Sen mit der Begründung, er habe mit dieser Aussage nicht zum ersten Mal integrationspolitischen Schaden angerichtet und damit wiederholt gegen den Stiftungszweck verstoßen. Das nutzten die Führungsgremien für eine Neukon-zeption: Das Institut bekam den Auftrag, sich zum „Thinktank” in der Integrationsforschung weiterzuentwickeln. Entsprechend wurde sein Name um ebendiesen Begriff erweitert.

  1. September 2016 – FAZ Seite 4