KURDISCHE JUGEND KRITISIERT “JUNGE WELT” BERLIN

KURDISCHER KOMMENTAR : “Junge Welt” (Berlin) übernimmt 1:1 die Argumentation der türkischen Regierung

(18 Juni 1941 deutsch-türkischer Freundschafts- und Nichtangriffspakt)

Die Zeitschrift “Junge Welt” möchte einen linken Diskurs führen, doch von den besten Zeiten der intellektuellen Linken ist dieser so weit entfernt wie die Parolen eines heterogenen nationalistisch-rechten Diskurses. Die Vermischung kritischer politischer Anklänge mit primitiven rechtsnationalistischen Impulsen findet hier ihren Zwillingsbruder in der mangelnden Unterscheidungsfähigkeit und Abgrenzung von Begrifflichkeiten und Inhalten. Wenn Kritik beliebig wird, ist sie im besten Fall keine ernst zu nehmende Kritik mehr, im schlimmsten ist sie gefährlich. Zuerst einmal werden Lersin und Leser erschlagen mit dem Mischmasch geschichtlicher Fakten, Phänomene, und Halbwahrheiten, die alle in einen Topf geworfen und kräftig verrührt werden. Heraus kommt ein diffuses, heterogenes Unrechtsgeschwafel, eine gedankenlose Geschichtsrevue aus unverdauten Bildungsfragmenten, die in der Fortführung derselben Logik zu Geschichtsrevisionismus und der Banalisierung des Holocausts und des armenischen Genozids führen muss.

Sowohl in der Argumentation der türkischen Regierung u.v.a. Erdogans als auch in dem genannten Artikel der Jungen Welt (die Zeugnis gibt von dem bedauerlichen Zustand dessen, was sich heutzutage in Deutschland linkskritisch nennt und von einem rechtsnationalistischen Diskurs teilweise nicht mehr zu unterscheiden ist) gibt es diesen seltsamen Mischmasch, mit dem alles und jedes behauptbar, zu entkräftigen und verfälschbar ist.

Folgerichtig erscheint dann in der Logik der Argumentation der Begriff der „Siegerjustiz“, den die NPD und die Nationalsozialisten gegenüber den Alliierten verwendeten und verwenden und die der Leser mit Grausen mit weiteren Schlüsselwörtern assoziiert. Dass sich angeblich eine Siegerjustiz über den armenischen Völkermord ausspricht, heißt im Klartext, dass es keinen solchen gegeben haben soll.

Welch Geistes Kind der Verfasser in seiner vollkommenen Gedankenlosigkeit und politischen Orientierung ist, tritt klar zu Tage. Der Artikel muss den Opfern des armenischen Völkermords empörend erscheinen.

Wir diskutieren hier nicht darüber, ob das Gesetz die gewünschte Wirkung zeigen wird oder nicht. Für die Opfer ist dieses Gesetz insofern eine Genugtuung, als es für sie weniger um die Täter als um ihre eigenen Gefühle geht, die bei der Leugnung des Genozids aufkommen, was sich in den Reden der Kommissionsmitglieder (deren (jüdische) Familie teilweise selbst Opfer des Holocausts ist und unter denen wohlgemerkt eine der Hauptinitiatorinnen algerischer Abstammung ist ) des Gesetzesentwurfs widerspiegelt.

Die Türkei befindet sich noch mitten in dem Prozess des Genozids, dessen letzte Phase die (Ver-) Leugnung darstellt. Geplant war nicht nur ein armenischer Genozid, sondern auch der anderer Minderheiten, was sich seit Jahrzehnten in der Vernichtungslogik, die sich an den Kurden austobt, fortsetzt.

Auf der Täterseite sehen auch in den nachfolgenden Generationen die Verstrickung, die Schutzmechanismen anders aus als auf der Opferseite. Dies ist auch in diesem Artikel deutlich spürbar. Die lange deutsch-türkische Freundschaft gegen die Interessen der Kurden gibt- verkürzt ausgedrückt- über strategische Interessen hinaus, ein deutliches Zeugnis davon. Die Banalisierung des Holocausts, die Herabsetzung der Schuld durch unzulässige Vergleiche und geschichtsblinder, interessierter Konfusion und Verwirrung ebenso.

J.J. – Kurdische Gemeinde München

 

( Junge Welt v. 24.12.11, Definitionsmacht, Ankara wirft Frankreich Völkermord vor)

J.J. – Kurdische Gemeinde München

LINKS: http://efendisizler.blogsport.de/2011/12/29/junge-welt-uebernimmt-11-die-argumentation-der-tuerkischen-regierung/

( Junge Welt v. 24.12.11, Definitionsmacht, Ankara wirft Frankreich Völkermord vor- LINK: http://www.jungewelt.de/2011/12-24/045.php )

 

TATORT KURDISTAN (ARMENIEN) / DEUTSCHE NEGATIONISTEN

Hans Branscheidt

„Ein Gesetz zum Schutz von Völkermordopfern“, so kommentiert der Vorsitzende des Zentralrats der Armenier in Deutschland (ZAD) das soeben verabschiedete Gesetz, mit dem Frankreich die Leugnung von Genoziden unter Strafe stellt.

Der ZAD hält es für zwingend erforderlich, nun auch in Deutschland dem französischen Beispiel zu folgen.

Ein Blick auf Webseiten + in Blogs deutscher Gutmenschen, Menschenrechtsorganisationen, der Linken + Liberalen, Parteien + Verbände ergibt ein sofortiges, absolut übereinstimmendes Bild:

Die fordernde Frage der Anerkennung des Völkermords an den Armeniern durch die Bundesrepublik spielt hier überhaupt keine Rolle.

Das mag daran liegen, daß man im Hause des Henkers ungern vom Strick redet – von jenem blutigen Strick, der den Pfarrer Lepsius entsetzte, welcher die deutsche Beteiligung an diesem Megaverbrechen in Kurdistan/Armenien als erster notierte.

Erstaunlich das Schweigen aber wiederum doch, weil die heutigen Deutschen einen Wettbewerbsvorteil in Anspruch nehmen, der auf ihrem sauer erworbenen Patent in der Kunstform „Aufarbeitung & Bewältigung” basiert.

Warum also kein Ton von der ANTIFA ? Warum kein Wort von den Ärzten von IPPNW ? Nichts von der Linkspartei ? Kein Wort der doch auf Trauer plus Betroffenheit fest abonnierten Claudia Roth ? Nicht eine einzige Regung bei attac oder amnesty oder pro asyl – obwohl doch der Fall in erster Linie kein gallischer, sondern ein germanischer ist?

Fragen wir also nach, legendiert als Redakteur im Hauptstadtbüro eines deutschen Nachrichtenmagazins, um auch in dieser Frage volle Transparenz zu schaffen.

Fragen wir per Telefoninterview also alle jene, die sonst beim Rauchen + beim Trinken, beim Essen + Leben mal veganische, feministische, antirassistische, antifaschistische Prinzipien und was sonst noch alles stets streng vergesetzlicht wissen möchten:

Frauke Distelrath, attac Sprecherin: „Hach ja, das auch noch, nö, haben wir nichts zu gemacht, machen wir auch nicht, wir haben genug andere Themen.“

Frauke D., die einen ansonsten mit emails über die Speisekarte in Occupy-Camps zu überschütten vermag, hat für derlei Kinkerlitzchen bezüglich eines systematischen Völkermords in neuerer Zeit einfach keine Zeit – aber was ist mit Matthias Jochheim, dem Arzt + einfühlsamen Psychoanalytiker von IPPNW?

Matthias Jochheim: „Ganz wichtige Frage, mit der man sehr behutsam umgehen muß, hier geht es um Versöhnung und Aufklärung, da darf man durch Gesetze nichts überstürzen. Alles muß in einen neuen Dialog münden“.

Der ja bekanntlich als alter schon seit 1915 nicht stattfindet und deswegen nun nicht in vollkommen unangemessener Eile etwa mal zu einem Ergebnis kommen könnte, sondern da capo al fine in einen “neuen Dialog” zu münden hat.

Doch wird uns vielleicht eine aufrechte Politikerin weiter helfen, die Claudia Roth, die auch weinen kann:

Claudia Roth: „Ganz heißes Eisen, bei dem man viel falsch machen kann. Vorsicht, sage ich ! Man muß die Dinge historisch immer wieder neu bewerten, es geht um die Freiheit der Geschichtsschreibung. Druck von außen bringt da nichts. Machten wir so ein Gesetz, wir hätten die Türkei auf Dauer gegen uns und das multikulturelle Projekt wäre schwer beschädigt.“

Wiederkehr des Verdrängten : damals (Auswärtiges Amt Berlin 1915) wie heute dieselbe Adresse der „Wilhelmstrasse“, die uns bedeutet, man dürfe auf keinen Fall „die Türken gegen sich haben“. Weshalb wir damals aktive Beihilfe zum Völkermord leisteten und heute dazu schweigen. Dies gilt sogar dann, – wie das AA wörtlich dem briefeschreibenden Pfarrer Lepsius mitteilte, – wenn „dabei Christen umgebracht“ werden. Armenier eben.

Ob uns Barbara Lochbihler , eine Europäerin aus Bayern, MdEP und früher bei amnesty, da anderes sagt:

Barbara Lochbihler: „Auf keinen Fall ein Gesetz. Damit werden nur die Positionen festgeschrieben. Das Ereignis muß offen bleiben, für den offenen Dialog zwischen den Parteien, die sich am besten begegnen in der Mitte“.

Die Befragten belehren uns durchweg alle suggestiv über die transzendierende Kraft des ewigen Dialogs, wobei am Ende alles zur Ansichtssache per Vereinbarung wird.

Nach immerhin 100 Jahren Armeniermord gilt jede konkrete Festlegung heute als übertriebene Eile. Das Megaverbrechen selber wird als Faktum relativiert – es bedarf der perennierenden Debatte.

Und ob eine Gaskammer auch eine Gaskammer war, oder vielleicht etwas ganz anderes, entscheiden die Dialogpartner am besten, wenn sie sich zum Schluß in der lochbihlerschen Mitte treffen.

Welch ein fataler Fehler mithin, sich einmal wegen Auschwitz derart festgelegt zu haben ! – oder sich durch die penetranten Juden festlegen zu lassen.

Auch die Armenier sind so penetrant: Charles Aznavour will einfach nicht einsichtig nachgeben und einsehen.

Matthias Jochheim ist dafür bei uns der AllerBeste, „Aufklärung“ und „Versöhnung“ sind ihm einsichtsvoll eins.

Der “Dialog” über Auschwitz kann in solchem Sühnezeichen getrost neu wieder aufgenommen werden.

Aber hatten wir nicht anfangs die unbestechlichen GenossInnen der Antifa erwähnt und bisher ganz vergessen. Warum schweigen auch diese ?

Wie sagte doch schon der FÜHRER in seiner berüchtigten Rede an die Wehrmacht im Osten, die er darüber aufklärte, daß „Gnadenlosigkeit“ ruhig kaltblütig ausgeübt werden könne, da „sich auch niemand mehr an die Armenier Massaker erinnert“.

Das haben sie alle verstanden !